Zehntausende fliehen vor Kämpfen in Nordsyrien

Politik

Angreifer Türkei und örtliche Kurden liefern sich heftige Gefechte. Zu Hause duldet Erdoğan keine Kritik.

„Heldenhafte“ Soldaten seien in Syrien auf dem Vormarsch, erklärte das türkische Verteidigungsministerium am Donnerstag, dem zweiten Tag des Militäreinsatzes im Nachbarland. Ein Video zeigte Mitglieder einer Sondereinheit, die in der Dunkelheit mit Gewehren auf ihre Gegner schossen. Alles laufe nach Plan, versicherte die Regierung in Ankara. Unterdessen wächst innenpolitisch der Druck auf alle, die der Intervention kritisch gegenüberstehen.

Medien für den Feldzug

Die meisten türkischen Zeitungen begrüßten den Beginn der „Operation Friedensquell“ am Donnerstag als ersten Schritt, um das Land gegen die drohende terroristische Bedrohung durch die syrische Kurdenmiliz YPG zu schützen. Vier der fünf größten Parteien im Parlament unterstützen die Aktion, nur die Kurdenpartei HDP ist dagegen.

AP/ap

Nachdem am Mittwoch zuerst Kampfflugzeuge und Artillerie die Stellungen der YPG im Norden Syriens unter Beschuss nahmen, rückten in der Nacht die ersten Bodentruppen vor. Wie glatt der Einsatz wirklich lief, war unklar. Die türkische Regierung betonte, sie habe alles unter Kontrolle. Bis zum Donnerstagmittag drangen türkische Truppen laut Medienberichten acht Kilometer tief auf syrischen Boden vor und nahmen einige Dörfer ein; angestrebt ist die Besetzung eines 30 Kilometer tief auf syrisches Territorium reichenden Gebietsstreifens. Schon mehr als 100 „Terroristen“ seien getötet worden, hieß es in Ankara.

Zivilisten getötet

Vertreter der von der YPG beherrschten Syrisch-Demokratischen Streitkräften (SDF) sprachen dagegen von erfolgreicher Gegenwehr: Bei mindestens zwei Gelegenheiten wollen die Kurdenkämpfer die Angriffsversuche türkischer Bodentruppen zurückgeschlagen haben. Zudem warf die YPG der Türkei vor, Zivilisten getötet und tausende Bewohnern des Kampfgebietes zur Flucht in kurdisch beherrschte Gebiete weiter südlich in Syrien gezwungen zu haben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichtete von Zehntausenden Menschen auf der Flucht.

APA/apa

Fest steht, dass sich die Türkei mit dem Marschbefehl für ihre Truppen international keine Freunde gemacht hat. Außer dem kleinen Emirat Katar war bis Donnerstag kein Land bekannt, das sich dem türkischen Argument anschloss, wonach der Militäreinsatz zur Selbstverteidigung unverzichtbar sei. Die türkischen Partner im Syrien-Konflikt, Russland und Iran, reagierten alles andere als begeistert, im Westen ist die Kritik einhellig. Amerikanische Kongresspolitiker bereiten Sanktionen gegen die Türkei und Präsident Tayyip Erdoğan persönlich vor.

Einer der Gründe für die Front der Ablehnung ist die Sorge, dass der türkische Militäreinsatz der Terrormiliz „Islamischen Staat“ (IS) zu neuer Stärke verhelfen könnte. Die USA holten zwei als besonders gefährlich geltende IS-Kämpfer aus Großbritannien – die sogenannten „Beatles“, die an Enthauptungen von Gefangenen beteiligt gewesen sein sollen – vorsorglich aus einem Internierungslager in Syrien und nahmen sie in eigene Gefangenschaft. Aus der Aktion spricht Misstrauen gegenüber der Türkei: Washington befürchtet ganz offensichtlich, dass sich IS-Gefangene befreien könnten.

Sorge um IS-Comeback

Die YPG, die sich von ihren bisherigen amerikanischen Partnern im Stich gelassen fühlt, heizt diese Furcht des Westens an. Die Kurdenmiliz zog einige Truppen vom Anti-IS-Einsatz in Syrien ab, um sie in die Schlacht gegen die anrückenden Türken zu werfen. Zugleich meldete die YPG-beherrschte Verwaltung des kurdisch-syrischen Autonomiegebietes, bei einem türkischen Angriff seien Teile eines Lagers für IS-Gefangene getroffen worden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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