6-Stunden-Rennen von Spa: Kurzweil auf der Langstrecke

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Der WM-Lauf war die Generalprobe für den Klassiker in Le Mans. Die Veranstaltung bewies, warum die Rennserie aktuell so beliebt ist. Österreichischer Doppelsieg inklusive.

Dort, wo der Tod allgegenwärtig ist, werden dicke Bratwürste gegrillt. Rauchschwaden ist man gewöhnt an dieser berüchtigten Ecke des Motorsports. Oft stammen sie jedoch von den Havarien jener Rennwagen, die diese Mut-Passage an der Rennstrecke von Spa-Francorchamps regelmäßig produziert.

Die Rede ist von Eau Rouge, Raidillon und der Kemmel-Geraden. Diese aufeinander folgenden Streckenabschnitte sind nicht nur Hardcore-Fans ein Begriff. Geliebt und gefürchtet bei Fahrern und Fans gleichermaßen, verloren erst in den vergangenen fünf Jahren an Ort und Stelle zwei junge Piloten ihr Leben.

Kaum zurückhaltender wurde am Wochenende beim Lauf der Langstrecken-WM (WEC) durch die belgischen Ardennen gekurvt. Die Ausdauer-Rennserie, in der  Haltbarkeit prinzipiell oberste Priorität genießt, hat in der jüngeren Vergangenheit ein völlig neues Niveau erreicht. Wer zu oft bremst, verliert auch hier. 

So erlebten die sechs Stunden von Spa mehrere Safety-Car-Phasen, eine Rote Flagge (Rennabbruch nach Crash auf der Kemmel Straight) und am Ende einen zweifachen Porsche-Doppelsieg: in der Hypercar- als auch in der GT-Klasse. Dort siegte der Niederösterreicher Richard Lietz dank eines Überholmanövers in der letzten von 130 Runden vor seinem Steirer Teamkollegen Klaus Bachler. 

Mit offiziell 88.180 Besuchern verzeichneten die Veranstalter eine Rekordkulisse für ihr Langstreckenrennen. Noch mehr Benzinbrüder kommen alljährlich nur nach Le Mans. Beim 24-Stunden-Klassiker (15./16. Juni) werden auch heuer wieder – und trotz gleichzeitig stattfindender Fußball-EM – mehr als 300.000 Fans erwartet.

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Alles blickt nach Le Mans

Das 24-Stunden-Rennen ist das unumstrittene Juwel im acht Stationen umfassenden Saisonkalender der WEC, vieles davor und fast alles danach verblasst verglichen mit dem ultimativen Test für Mensch und Maschine auf den teilweise öffentlichen Straßen Nordfrankreichs. Selbst die Teams richten alles auf Le Mans aus.

Von einem Boom der Rennserie zu sprechen, ist keine Übertreibung, zumindest wenn man sich die aktuelle Hersteller-Liste in der neuen Hypercar-Klasse ansieht. Mit Porsche, Ferrari, Lamborghini, Alpine, Toyota, Peugeot, Cadillac und BMW ist nahezu alles vertreten, was sich im Automobilbau über Pferdestärken definiert.

Kaum weniger namhaft ist das Feld der Piloten, zu denen heuer etwa Jenson Button (Porsche), Robert Kubica (Ferrari), Mick Schumacher (Alpine) oder Motorrad-Legende Valentino Rossi (BMW) gehören.

Angelockt hat sie nicht nur die Aussicht auf einen historischen Sieg in Le Mans, sondern auch die Art und Weise, wie auf der Langstrecke Motorsport betrieben wird: nahbar, aber  trotzdem professionell, klassisch und dennoch innovativ. 

Um Entwicklungskosten nicht völlig ausufern zu lassen und damit die Hersteller deren Markenidentität behalten können, wurden ihnen beim Aufbau der Hypercar-Prototypen viele Freiheiten eingeräumt. Das hatte zur Folge, dass vor allem anfangs unterschiedliche Konzepte mit teilweise mutigen Ideen auf der Strecke konkurrierten.  Nicht jede Idee der Ingenieure funktionierte, wie etwa beim Peugeot-Boliden, der ohne Heckflügel auf die Reise geschickt worden war.

Die vorhandenen Leistungsunterschiede werden mit Zusatzgewichten an den potenteren Wagen zu minimieren versucht. Doch die Balance zu finden zwischen Ausgeglichenheit und Fairness ist nicht immer einfach. 

Bisher spielen alle Hersteller anstandslos mit, doch das kann sich rasch ändern, spätestens beim oder nach dem Saisonhöhepunkt in Le Mans. Die aktuelle Markenvielfalt ist eine fragile Momentaufnahme. Die …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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