Ankerbrot – mit einem gepfefferten Schuss Albanien

Sport

EM-Porträts, Teil 15: Arijeton Ziba sorgt für ein bemerkenswertes sportliches Comeback eines Favoritener Traditionsklubs.

„Die sind alle sehr gute Jungs“, lobt der junge Obmann die Spieler seiner ersten Mannschaft, während sie sich gegen den tief stehenden Tabellennachzügler Union Triester SC geduldig ihre ersten nennenswerten Torchancen erarbeiten.

Arijeton Ziba, auf seinem roten Sporttrikot steht Toni, ist aber auch kein ganz Schlechter: Der 36-jährige Betriebswirt hat vor inzwischen zwanzig Jahren im albanischen Profifußball sein Debüt gefeiert, hat dann in der ersten Liga seines Heimatlandes „sehr gut verdient“, ehe ihn ein Zweikampf nur zehn Minuten vor Spielende aus einem sorglosen Leben riss.

Sein linkes Bein war alles in allem kaputt. Die Erinnerung daran krampft ihn heute noch zusammen: „Ich musste dann ein halbes Jahr lang einen Gips vom Fuß bis zur Hüfte tragen.“

Aus, vorbei? Fußballer wie der gelernte Innenverteidiger Arijeton Ziba haben die Gabe, ein schon verloren geglaubtes Spiel noch zu drehen: „Ich habe dann mit meiner Frau eine Europa-Reise gemacht. Und es ist uns beiden gelungen, an der Uni in Wien zu inskribieren.“

Ein kompletter Neustart im Jahr 2012: Seine Frau beginnt ein Pädagogik- und er ein Wirtschaftsstudium. Beide arbeiten vom ersten Tag an, um sich in Wien das Leben zu finanzieren.

Grafik, Uwe Mauch

Für den transdanubischen Stadtligisten SV Donau ist der ehemalige Profi aus Albanien ein Geschenk, das, so hat es fast den Anschein, aus dem Kaisermühlener Himmel fällt.

Ziba arbeitet erst in einem Labor in Wiener Neustadt, dann für eine Steuerberatungskanzlei. Obmann beim KSV Ankerbrot, dem bis zur Pause des Oberliga-A-Spiels kein Tor gelingen mag, ist er seit drei Jahren. Anfangs war es um den Verein nicht zum Besten bestellt: „Es gab nur 39 Kinder im Nachwuchs und drei Trainer.“

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Und es gab, ja, sagen wir es so, wie es war, auch gehörig Skepsis, ob denn der Albaner nicht das Image der Firma Ankerbrot beschädigen würde.

Uwe Mauch

Der Finanzexperte lässt heute lieber Zahlen für sich sprechen: „Wir haben jetzt 230 Kinder und zwanzig Trainer. Der Verein ist wirtschaftlich gesund. Und unsere junge Mannschaft ist seit acht Spielen ungeschlagen. Unser Ziel ist es, in der kommenden Saison in die Stadtliga aufzusteigen.“

In diesem Moment netzt die Nummer 7, ein Wiener, der beim SK Rapid ausgebildet wurde, zum ersten Mal an diesem Samstagabend. Der allseits beliebte „Toni“ jubelt – nicht überschwänglich. Lieber betont er: „Als ich hier zum Verein gekommen bin, habe ich oft von anderen Vereinen gehört, dass sie gegen uns spielen müssen. Heute ist das schon anders.“

APA/AFP/ATTILA KISBENEDEKHilfsbereiter „Toni“

Nach dem Sieg seiner Elf hilft der Obmann, der seit 2021 eine Personalleasing-Firma führt, in der Kantine aus und gibt jedem dort bereitwillig Auskunft.

In wenigen Tagen muss der Verein kurz auf ihn verzichten: „Ich habe Karten für die Spiele gegen Spanien und Kroatien.“ Die Chancen in der „Hammergruppe“ B für Albanien? „Der Fußball ist immer gut für eine Überraschung.“ Wer weiß das besser als Arijeton Ziba?

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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