Eishockey-Wunder gegen Kanada: Wie Österreich WM-Geschichte schrieb

Sport
IIHF World Championships - Group A - Canada v Austria

Von 1:6 auf 6:6 gegen Weltmeister Kanada: Das größte Comeback in der Geschichte der 87-jährigen Eishockey-WM. Eine Analyse, wie es dazu kam und was es bedeutet.

Die 14.700 Zuschauer in der Prager O2-Arena trauten ihren Augen nicht. Österreich, die Nummer 16 der Welt, eine Eishockey-Nation, die gerade einmal 3.607 männliche Vereinsspieler hat, schießt gegen die Nummer eins der Welt, Titelverteidiger und Rekordweltmeister Kanada mit seinen 76.332 Eishockey-Spielern, im letzten Drittel fünf Tore und egalisiert einen 1:6-Rückstand.

Nach dem 5:0 für Österreich in den letzten  20 Minuten der WM-Partie stand es 6:6 und hatte der große Außenseiter einen Punkt. Die Kanadier holten sich in der Verlängerung mit dem siebenten Treffer den Extrazähler.

Damit hat Österreich Eishockey-Geschichte geschrieben. Das größte Comeback in der 87-jährigen Historie der Eishockey-WM, schrieb der internationale Verband.  Der David hat dem Goliath einen heftigen Check mitgegeben. 

„Nach dem 1:6 wollten wir das Spiel einfach halten und uns schon auf die nächsten Partien vorbereiten. Und plötzlich haben wir begonnen, Tore zu schießen“, sagte Marco Rossi, der in der Schlussminute das 6:6 erzielte. „Nach dem vierten Tor haben wir an die Chance auf den Ausgleich geglaubt. Wir haben unglaublich gespielt.“

Die Nacht auf Mittwoch war eine kurze für die Spieler der Österreicher. Nach dem Eishockey-Wunder konnte kaum einer mit diesem Adrenalin-Pegel gleich einschlafen. „Dieses Spiel werden wir nie vergessen.“ Großes Lob kam auch von Olympiasieger und Kanadas Kapitän John Tavares: „Man darf kein Team unterschätzen. Österreich hat eine lange Eishockey-Tradition und hat einige gute Spieler. Sie haben Talent und sind sehr wettkampffähig.“

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Doch was zeichnet die Österreicher bei dieser WM aus? Sechs Faktoren, die für den Turnierverlauf enorme Bedeutung haben:

Die Offensiv-Power: Elf Treffer gegen die Top-Teams Schweiz und Kanada zeugen von internationaler Klasse im Angriff. Wie die Post im Offensiv-Spiel abgeht, war schon im letzten Trainingscamp in Wien zu sehen. Das Team von Roger Bader versteht es, richtig schnell zu spielen. Dazu kommt die Tiefe des Kaders. Lukas Haudum führt die formell dritte Sturm-Linie mit dem starken Bern-Legionär Benjamin Baumgartner, in der vierten ist mit Vinzenz Rohrer gar ein Schweizer Meister.

REUTERS / Eva Korinkova

Das magische Dreieck: Nach den ersten beiden Partien stellten die Trainer die Offensiv-Reihen um: Torjäger Peter Schneider wechselte in die Formation mit Minnesota-Spielmacher Marco Rossi und Schweiz-Legionär Dominic Zwerger. Diese drei zauberten im Schlussdrittel gegen Kanada vier der fünf Treffer auf das Eis.

Neues Selbstbewusstsein: Marco Rossi forderte vor dem Turnier, dass Österreich nicht mit der Einstellung in ein Spiel gehen sollte, dass die Partie eh schon verloren ist. Egal, gegen wen. Das klang nach dem 1:5 zum Auftakt gegen Dänemark nach Selbstüberschätzung. Doch Rossi bringt die nordamerikanische Einstellung, nach der immer etwas möglich sei, in die Mannschaft.

Moral: Wer in 20 Minuten ein 1:6 gegen Kanada aufholen kann, der braucht bei dieser WM nichts zu fürchten. Österreich kann ein Rückstand nicht mehr aus der Ruhe bringen. Vor zwei Jahren drehte das Team gegen Großbritannien ein 1:3 in einen 5:3-Erfolg und schaffte somit den Klassenerhalt und Rang 11.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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