Er heiratet um elf, Belgien spielt um 21 Uhr

Sport

EM-Porträts, Teil 8: Paolino Bertaccini aus Charleroi hat sich beim FAC für höhere Aufgaben empfohlen.

Ob das noch von Bedeutung ist, fragt der Offensivmann des Floridsdorfer AC noch. Absolut! „Weil es ist so, dass ich meine Freundin Celia am 22. Juni bei uns zu Hause in Charleroi heiraten werde.“

Alle gratulieren sie ihm auf der Tribüne des kleinen Stadions in der Floridsdorfer Hopfengasse. Bis Paolino Bertaccini gefragt wird, ob Belgien an seinem Hochzeitstag bei der EURO spielt.

Pressemann Sebastian Heimrath googelt die richtige Antwort am schnellsten: „Ja, um 21 Uhr, gegen Rumänien.“ Der kleine Belgier mit dem italienischen Namen nimmt das sportlich: „Standesamt ist um elf, Kirche gleich danach. Geht sich aus.“ Möglicherweise wollen ja am Abend mehr Menschen seiner Hochzeitsgesellschaft tanzen und nebenbei einen Blick auf das Spiel der „Roten Teufel“ werfen.

Paolino Bertaccinis Großväter wanderten in den Norden Europas aus, um ihren Familien ein besseres Leben zu bieten. Sie malochten in den Kohleminen Charlerois, später auch auf Baustellen. Ihr Plan ging auf.

„Auch der Großvater meiner zukünftigen Frau hat’s so gemacht“, ergänzt die Nummer 97 (Geburtsdatum!) des FAC. „Sie hat als Lehrerin in Belgien zu arbeiten begonnen, wird mich aber in den Sommerferien in Wien besuchen.“

Grafik,Mauch Uwe

Seine Mutter war drei, als die Familie nach Belgien zog. Sein Bruder Adriano und er wurden bereits in Charleroi geboren. Beide Bertaccinis durchliefen alle belgischen Nachwuchsauswahlen, ehe Paolino sein Glück in Portugal versuchte und Adriano bei Austria Lustenau Fuß fassen konnte. Stolz sagt der Ältere heute: „Unfassbar, zuletzt hat er für den belgischen Erstligisten Sint Truiden vier Tore in sechs Erstligaspielen erzielt.“

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So wie er die Spiele des Bruders in Belgien streamt, verfolgt der Bruder den FAC. Auch Paolino darf mit seinen Leistungen im blau-weißen Dress der Floridsdorfer zufrieden sein: sieben Tore, vier Assists in der abgelaufenen Saison. Trainer Mitja Mörec (als Slowene auch Teil dieser Porträtserie) hat ihn in fast allen Spielen von Beginn an gebracht, im Team ist er gut integriert.

Der Wellnessfaktor

Der 26-Jährige weiß: „Wenn du dich außerhalb des Spielfelds wohlfühlst, kannst du besser spielen.“ Er kennt das auch anders: „In Portugal hatte der Trainer was gegen mich. Da war es schwer.“

Bei den Floridsdorfern will Paolino Bertaccini auch im Herbst glänzen: „Mein Bruder und ich arbeiten hart, damit wir den Eltern etwas zurückgeben können.“

EPA/ANDY RAIN

Zum belgischen Team hat er eine besondere Nähe: „Youri Tielemans von Aston Villa war mein Zimmerkollege, als wir die Deutschen geschlagen haben und er alle drei Tore erzielt hat. Auch mit Wout Faes von Leicester City habe ich für Belgien gespielt.“

Die Gruppenphase sollte man überstehen. Ob es zu mehr reicht? Paolino Bertaccini meint: „Sie haben immer noch ein gutes Team, aber sie sind nicht mehr so stark wie mit Eden Hazard.“

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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