Ex-Schiri Stuchlik warnt vor Baku: „Wird eine harte Nuss für Rapid“

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Der Wiener kümmerte sich vier Jahre lang um das Schiedsrichterwesen in Aserbaidschan, lernte eine Liga im Aufschwung kennen und warnt vor Baku.

In Aserbaidschan ist der Sport auf der Überholspur. Sprichwörtlich in der Formel 1: Seit 2016 gibt es den Stadt-GP in Baku, der durch enge Gassen und über die Hafenpromenade am Kaspischen Meer führt. Diverse Kampfsportarten bringen regelmäßig Olympiamedaillen ein. Aber auch im Fußball tut sich einiges. Erst 2021 war die Hauptstadt mit ihrem Nationalstadion für 68.000 Fans Schauplatz von vier EM-Partien. 700 Millionen Euro kostete die Arena. 

Ein Menge Holz für ein Land, in dem das durchschnittliche Monatseinkommen bei umgerechnet 350 Euro liegt. Einer, der Aserbaidschan vier Jahre kennenlernen durfte, ist Fritz Stuchlik. „Das Land ist reich an Bodenschätzen, das spiegelt sich aber nicht in der breiten Bevölkerung wider“, sagt der Ex-FIFA-Referee.

Der 56-Jährige, der seine Karriere 2009 nach 267 Erstliga-Partien beendet hat, wurde geholt, um das Schiedsrichterwesen strukturell voranzubringen.  

Als „Chief Referee Officer“ und Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission habe er ab 2018 „positive Erinnerungen gesammelt und viel modernisiert. Das war aber nicht schwierig, weil die Strukturen bei meiner Ankunft stark veraltet waren.“ Ein Beispiel?  „Die Schiedsrichter-Beobachter haben die Berichte händisch geschrieben, das war nicht  lesbar.“ 

Start für den VAR

Der Fußball sei generell im Aufwind, betont Stuchlik und verweist auf den Saisonstart am kommenden Wochenende. Nur ein Jahr nach Österreich feiert der VAR seine Premiere. „Es wurde viel investiert, in Akademien und Stadien, wenngleich hier Kunstrasenplätze dominieren.“ Auf natürlichem Grün spielen die Rapidler gegen Neftçi Baku im Hinspiel der dritten Quali-Runde zur Conference League. „Neftçi ist neben Qarabag Agdam der zweitgrößte Klub. Das wird eine harte Nuss für Rapid“, ist sich Stuchlik sicher. „Neftçi hat ein kleines, aber sehr enges Stadion. Die Stimmung in Aserbaidschan ist nirgends so gut wie hier.“ 

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Der Zuschauerschnitt von Neftçi in der 2,3-Millionen-Einwohner-Stadt lag vergangene Saison bei nur 1.000. Stuchlik: „Zum einen, weil alle Spiele live im TV übertragen werden. Zum anderen, weil den Menschen dafür die Zeit fehlt. Es gibt eine Sechs-Tage-Woche, und viele müssen einem Zweitjob nachgehen, um über die Runden zu kommen.“

Georg Diener / Agentur Diener/Georg Diener

Auf die vom Wiener geschulten Schiedsrichter trifft das nicht zu: Sie sind Profis. Für diese sei es auch gelungen, beim Verband ein festes Gehalt zu generieren. „Jene, die in der höchsten Spielklasse pfeifen, erhalten jetzt ein Fixum von 500 Euro pro Monat und dazu 330  pro Spiel. Ein Lehrer verdient nur 200. 250 bis 300 brauchst du aber, um auszukommen.“

Profis gibt es in Österreich nach wie vor nicht. Auch dort nicht, wo Stuchlik in den nächsten zwei Jahren tätig sein wird: Beim griechischen Verband ist er künftig für die Schulung der Schiedsrichter-Beobachter zuständig. Zumindest werden die Berichte dort nicht mehr per Hand geschrieben.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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