Handball-Teamchef Pajovic – ein Boss, aber kein Diktator

Sport

Den Höhenflug der EM-Handballer schreiben viele der Arbeit des neuen Teamchefs zu. Am Dienstag geht es gegen Nordmazedonien.

Humor ist auch im Spitzensport eine gute Waffe. Als der Teamchef der österreichischen Handballer den baumlangen EM-Gegnern aus der Ukraine im Mannschaftshotel beim Frühstück über den Weg lief, fragte er sie nur eines: Wie das Wetter denn dort oben sei.

Wirklich überrascht haben die enormen anatomischen Vorzüge den selbst 1,97 Meter großen Slowenen freilich ebenso wenig wie seine Mannschaft Sonntagabend in der Wiener Stadthalle. Der 34:30-Sieg der Österreicher gilt auch als Erfolg der Reife und der taktischen Disziplin. Der zweite Sieg im zweiten Spiel nährt die Hoffnungen auf den Aufstieg in die Hauptrunde vor dem abschließenden Gruppenspiel am Dienstag gegen Nordmazedonien (18.15 Uhr).

Den aktuellen Höhenflug der Handballer schreiben viele im Umfeld des Nationalteams dem neuen Teamchef und dessen Arbeit zu. Dabei galt die Bestellung des 41-Jährigen im März 2019, zehn Monate vor dem Heimturnier, als risikoreich. Der Verband hatte sich gerade getrennt vom Isländer Patrekur Johannesson, dem erfolgreichsten Teamchef der Verbandsgeschichte, und mit Pajovic einen Nachfolger präsentiert, der eine Trainerstation vorzuweisen hatte: jene bei der HSG Graz. Größter Erfolg: Aufstieg in die erste Liga.

DIENER / Eva Manhart

Pajovic pflegt einen amikalen Umgang mit den Spielern

Ein Fachmann

„Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass wir gut gefahren sind mit Trainern, die vor Kurzem noch selbst Spieler waren und dementsprechend nah am Geschehen sowie an den Spielern dran sind“, erinnert sich Patrick Fölser, der Sportdirektor des Verbandes.Noch in Graz brachte Ales Pajovic als Spielertrainer seiner Mannschaft die Feinheiten des Welthandballs bei. Seine Fähigkeiten standen außer Zweifel. Der Rückraumspieler blickt auf eine Ausnahmekarriere in Slowenien, Spanien und Deutschland zurück. Meistertitel, Champions-League-Trophäen und eine EM-Silberne schmücken seine Vita. Dennoch sagt der Slowene: „Man muss sich als Trainer schon auch ein wenig von seiner Spielerkarriere lösen können.“

Der Respekt ist ihm jedenfalls gewiss, nicht nur wegen seiner Erscheinung, die irgendwo zwischen Wikingerkönig und Türsteher liegt. „Er lässt keinen Zweifel aufkommen, wer der Chef ist“, sagt Kreisspieler Tobias Wagner, „wir wissen, wann er es ernst meint im Training.“

Als Diktator sieht sich Pajovic jedoch nicht, dafür hat er zu viel gesehen und erlebt. „Wenn du am Balkan mit dem Handball anfängst, dann bist du an einen rauen Ton gewöhnt. Nach zwei Fehlern bist du sofort vom Feld geschickt worden. Erklärt, was du anders machen sollst, wurde dir nichts. Zumindest habe ich eines bald erkannt: Dass ich es selbst einmal ganz anders machen möchte. Mit Druck allein funktioniert nicht viel.“

Keine Gruppenbildung

Ein Lied davon singen kann Janko Bozovic. Der Linkshänder stand in den vergangenen Jahren im Nationalteam mehrfach in der Kritik, in den bisherigen beiden EM-Spielen trat der Deutschland-Legionär als unverzichtbare Stütze in Erscheinung. „Der Trainer versucht, keine Gruppenbildung aufkommen zu lassen“, sagt Bozovic, „durch ihn habe ich sehr viel Selbstvertrauen bekommen.“

Mentalität allein gewinnt keine Handballspiele, Sportdirektor Fölser lobt bisher das fehlerfreie, durchaus mutige Coaching während der Partien, gibt aber gleichzeitig zu bedenken: „Wir messen den Trainer nicht nur an den drei EM-Vorrundenspielen, sondern auch an der Perspektive, die er uns …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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