Heinz Prüller wird 80: Der Belächelte, Verfluchte und Bewunderte

Sport

Warum und wie die Kommentatoren-Legende die Medienszene in vielen Sportarten durcheinanderwirbelte.

Wenn Heinz Prüller aufschrie – wozu oft Anlass bestand im unfallreichen letzten Jahrtausend – zog’s auch solche zum Fernsehapparat, die sich kaum für die Formel 1 interessierten. Heute verfolgt der Mann, der in der Öffentlichkeit einen ähnlich hohen Bekanntheitsgrad wie so manch von ihm verehrter Star genoss, die Rennen selbst vom Patschenkino aus.

Heinz Prüller lebt in einem Seniorenheim in Wien-Döbling. Zuweilen streiken die Beine. Aber seine Stimme klingt immer noch vertraut und fest – so, als hätte dem Workaholic der brutale Stress nie geschadet.

Heinz Prüller: Seine besten Sprüche:

Am Freitag wird Prüller 80. Er hat gezählte 80 Bücher verfasst. „Aber nicht nur über die Formel 1“, will der Jubilar festgehalten wissen.

Tatsächlich wirbelte er als rasender Reporter die Medienszene in vielen Sportarten durcheinander.

Bei Olympia 1968 in Mexiko verschaffte sich Prüller mit weißem Kittel als Arzt verkleidet Zutritt in den Doping-Kontrollraum.

Bei Olympia 1972 in Sapporo bremste er als Express-Reporter den KURIER mit Skandalstorys über den kurz danach ausgeschlossenen Karl Schranz aus, obwohl der KURIER-Kolumnist war.

Nach den Winterspielen 1976 in Innsbruck musste ich wegen Kollegen Heinz beim damaligen KURIER-Chefredakteur zum Rapport.

APA/BARBARA GINDL

Sowohl Prüller, zu dieser Zeit bereits in Doppelfunktion bei ORF und Kronen-Zeitung, als auch ich hatten am selben Tag nur nicht zur selben Uhrzeit Olympia-Präsident Kurt Heller interviewt. Anderntags hieß es in Prüllers Titelstory, dass sich Österreich nun auch um die Sommerspiele bewerbe und Wien Olympiastadt werde. Im KURIER stand nichts davon. Was der Chef ein grobes Versagen eines unerfahrenen Jung-Redakteurs nannte.

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Abwechselnd wurde Prüller von ganzen Sportreporter-Generationen beneidet, belächelt, verflucht, kritisiert, bewundert.

Bewundert

… ob seines Aktionsradius. Bei einer Doppel-Abfahrt in Aspen (USA) zum Beispiel, wo ich Mühe hatte, den (durch den achtstündigen Zeitunterschied erschwerten) Redaktionsschluss einzuhalten, während sich Prüller vor Harti Weirathers Abfahrts-Weltcupsieg 1981 abwechselnd als ORF-One-Man-Show in Radio und TV bewährte, für die Krone schrieb und sich dazwischen noch telefonisch auf Italienisch bei Pia Maria Regazzoni nach dem Befinden ihres verunglückten Mannes Clay Regazzoni erkundigte;

Belächelt

… wie einmal in Vorarlberg, wo Formel-1-Experte P. in der zweiten Startreihe eines Promi-Rennens den Retourgang erwischte; oder wie in Cortina, wo Ski-Reporter P. die steile Tofana zu testen wagte und sich nach ersten Stemmbogen, neben Felsen 80 Meter hinabkollernd, seiner Sportgeräte entledigte;

Beneidet

… weil der Wiener-Sportclub-Sympathisant in besonders vielen Sportarten zu besonders vielen Sportgrößen (angefangen von Ski-Jahrhundert-Dame Annemarie Moser-Pröll, Eiskunstlauf-Dreifach-Weltmeister Emmerich Danzer, Team-Kickern, bis zu den Motor-Helden Niki Lauda, Gerhard Berger usw.) besonders guten Kontakt besaß. Auch wenn das Naheverhältnis dazu führte, dass er mit zwei Ausnahmen (Rapid-Kurzzeit-Coach Karl Rappan, Eis-Olympiasieger Wolfgang Schwarz) Sportler nie scharf kritisierte;

Gefürchtet

… von TV-Co-Kommentatoren, zumal diese bei Live-Übertragungen wegen Prüllers Informationsdranges kaum zu Wort kamen. Was Red-Bull-Motorchef Helmut Marko im 50. Grand-Prix-Buch Prüllers so formuliert:

„Ich hatte das Vergnügen, mit Heinz einige GP zusammen zu kommentieren. Dabei lernte ich, dass das aktuelle Renngeschehen nur bedingten Einfluss auf Heinz Prüllers Kommentare hatte.“

Gierig nach Geld und Macht war Exklusiv-Heinzi nie. Nur mit den besten G’schichten wollte er stets in der Pole-Position sein.

wolfgang.winheim

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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