In den Sand gesetzt: Wie 5.760 Minuten Fußball ein Land verändern

Sport

Am Sonntag beginnt eines der größten Ereignisse der Menschheit im kleinen Katar. 200 Milliarden Dollar hat das Emirat dafür locker gemacht. Wie präsentiert es sich in den Tagen vor dem Anpfiff?

Es ist nicht ganz eindeutig, ob der Händler am Souq Waqif, dem bekanntesten Basar im Herzen von Doha, Cristiano Ronaldo verspottet oder alles nur ein blödes Versehen ist. Unter dem Schild „antike Kunst“ hängt zum Verkauf ein Trikot des mittlerweile 37-jährigen Portugiesen.

Nicht nur für den mehrfachen Weltfußballer dürfte die Weltmeisterschaft in Katar ab Sonntag ein schwieriges Turnier werden. Nie stand eine Endrunde länger fest (seit 2010); nie wurde intensiver über ein Gastgeberland diskutiert und gestritten; nie gab es mehr Widersprüchliches zu berichten als über das autokratisch geführte Emirat, das gleich groß ist wie Oberösterreich, aber ungleich reicher.

Was ist echt, was ist inszeniert in Katar? Die richtigen Antworten auf diese Fragen waren in Doha noch nie leicht zu finden. Auch nicht am Souq Waqif, dem traditionellen Basar, der gar nicht so traditionell ist. Nach einem Brand um die Jahrtausendwende ließ der Emir den Marktplatz wiederaufbauen – nach altem Erscheinungsbild, aber mit moderner Ausrichtung.

Es gibt jetzt Eintopf vom Babykamel und im Lokal nebenan Pizza Margherita. Um sich in dem Labyrinth aus kleinen Gässchen zurechtzufinden, sind an jeder Ecke QR-Codes angebracht.

Hat man den Ausweg gefunden, wartet zwei Straßen weiter eine andere Welt. Die offizielle Altstadt Dohas hat sich in den vergangenen Jahren in ein hypermodernes Ausgehviertel verwandelt. Viel Glas, viel heller Beton, eine Begegnungszone mit Straßenbahn, Galerien und Essensständen, an denen frisch gepresste Fruchtsäfte und vegane Tacos verkauft werden. Wäre es an diesem Novembertag nicht so drückend heiß, könnte man meinen, man flaniere gerade durch Kopenhagen.

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Katar präsentiert sich der Welt in den kommenden Wochen. Und zwar als freundliches und multikulturelles, modernes und sicheres Land – so der Plan des Herrscherhauses. Das hatte seinen Preis. Die Schätzungen der Gesamtkosten der Fußball-Weltmeisterschaft reichen bis zu 200 Milliarden US-Dollar. Das ist verdammt viel Geld für 64 WM-Spiele und damit 5.760 Minuten Fußball (noch ohne Nachspielzeit und Verlängerungen).

Acht Stadien wurden in den Sand gesetzt, viele sollen nach der Weltmeisterschaft zur Gänze oder teilweise wieder abgebaut werden. Aber den Arenen gilt nicht das Hauptaugenmerk. Die ersten drei U-Bahn-Linien sind entstanden, die fünf der acht WM-Schauplätze direkt ansteuern. Fahrer- und beinahe geräuschlos sausen sie durch den Untergrund, derzeit im Zwei-Minuten-Takt und sehr oft menschenleer.

Wirklich wichtig werden könnte das Transportmittel nach der Fußball-WM, vor allem für die vielen Gastarbeiter und deren Familien, immerhin werden dadurch das Hauptspital und viele Bildungseinrichtungen erschlossen. Ob man die Linien nicht auch ohne Fußball-WM hätte bauen können, um den Menschen das Leben zu erleichtern, ist eine andere Frage.

Das nun stattfindende Weltereignis markiert in der Weiterentwicklung des Landes jedoch nur eine Zwischenetappe, wenngleich die wichtigste. Mit der „Vision 2030“ will sich Katar unabhängig machen von den Öl- und Gasvorkommen, die den Wüstenstaat reich und wichtig werden ließen.

Steter Wandel – der war immer entscheidend in der Geschichte des kleinen Landes am Persischen Golf. Vor 100 Jahren lebten die rund 16.000 Menschen, organisiert in Beduinenstämmen, von den Perlen, …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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