Österreich nach dem EM-Aus als Europameister der Schmerzen

Sport

Der KURIER-Fanreporter verspürt nach dem Achtelfinal-Aus eine große Leere, will eigentlich kein Match mehr sehen und tippt auf einen Europameister Holland.

Michael Schapler begleitet seit Jahren das österreichische Nationalteam. Der Innsbrucker schildert für den KURIER bei der EM seine Eindrücke aus Sicht eines Fans.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen seit Dienstag geht. Aber ich mag einfach nicht über dieses Match reden. Normalerweise seziere ich ja jede Partie, ich gehe jedes Spiel gedanklich noch einmal durch und kann stundenlang mit meinen Freunden Aufstellungsvarianten diskutieren. Aber das Achtelfinale gegen die Türkei würde ich am liebsten aus dem Gedächtnis streichen.

Ich habe festgestellt, dass es vielen ähnlich geht. Gefühlt ganz Österreich hat das 1:2 gesehen, aber keiner will wirklich darüber reden. „Sag jetzt bloß nichts“, kriegst du oft zu hören. „Lass’ mich damit in Ruhe“, sagen andere. Oder auch: „Wechseln wir bitte das Thema.“

Das Aus im Achtelfinale war irgendwie so, als hätte man bei dieser EM den Stecker gezogen. Auf einmal ist die ganze Euphorie verpufft. Eben habe ich noch ein Zimmer für das Viertelfinale in Berlin gesucht und Pläne geschmiedet, und dann geht’s plötzlich nach Hause. 

Vielleicht waren wir wirklich alle zu übermütig und haben das 6:1 im Testspiel gegen die Türkei überbewertet.

Michael Schapler

Der KURIER-Fanreporter hat während der EM viele Menschen getroffen

Ich tu mich seit Dienstag jedenfalls schwer, mich noch richtig für die EM zu erwärmen. Normalerweise schaue ich ja so gut wie jedes Match, das irgendwo übertragen wird, aber ich weiß im Moment wirklich noch nicht, ob ich mir das Viertelfinale Holland – Türkei überhaupt antun soll. 

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Weil ich mir bei jeder Sekunde denken würde: Eigentlich sollte da gerade Österreich spielen. Und eigentlich sollte ich gerade im Olympiastadion in Berlin stehen und „I am from Austria“ singen.

Ich bin übrigens ins Wettbüro gegangen und habe auf einen Europameister Holland gesetzt. Das wäre so eine typische österreichische Dolchstoßlegende. 2021 sind wir mit Pech gegen den späteren Europameister Italien ausgeschieden. Jetzt wären wir die Einzigen, die den Europameister Holland besiegen konnten.

Das wäre wieder einmal ein typisch österreichisches Schicksal. Und dann könnten wir uns zumindest darüber freuen, dass wir Europameister der Herzen sind.

Europameister der Schmerzen sind wir ja seit Dienstag schon.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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