Papa Thiem: „Wenn dein Kind dort spielt, dann ist das eben emotionaler“

Sport

Wolfgang Thiem sprach am Tag nach dem Triumph in Alt Erlaa über Vaterstolz, seine Emotionen während des Spiels – und warum dennoch keine Tränen geflossen sind.

Herr Thiem, haben Sie das alles schon verdaut?
Noch nichts ganz, es liegt noch drinnen im Magen. Es war eine unglaublich emotionale Geschichte mit einem Wechselbad der Gefühle innerhalb des Spiels.  Da waren so viele Dinge dabei, zwei Sätze zurück, dann das Comeback, der spannende Entscheidungssatz mit Krämpfen.

Was dachten Sie nach den zwei verlorenen Sätzen?
Ich zähle nicht zu jenen Konsumenten, die schlafen gehen, wenn die Fußball-Nationalmannschaft 0:2 hinten liegt. Ich schaue immer bis zum Schluss, weil ich stets daran glaube. So war es auch hier. Wenn es dein eigener Bub ist, dann bleibst du ohnehin gespannt vor dem Fernseher sitzen. Aber ich verstehe jene, die nach den ersten zwei Sätzen gemeint haben: das wird nichts mehr.

Alexander Strecha

Wie stolz sind Sie als Vater, nicht als Trainer?
Natürlich sehr. Für einen Tennisspieler ist es das Größte, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Wie im Fußball die Champions League.  Darauf arbeitet man ja hin. Die Nummer eins der Welt ist dann eine logische Folge von den Turnieren. Dass es dann im vierten Finale endlich mit dem Titel klappt, ist toll. Wenn du das vierte auch noch verlierst, das kann sich im Kopf dann schon festsetzen. Jetzt ist das Kapitel einmal erledigt.

Ist das eine Erleichterung, weil der Erwartungsdruck weg ist?
Du hast den Titel in deinem Packerl drinnen. Aber ich glaube, dass das spätestens bei den Australian Open wieder vergessen ist. Nicht in Paris jetzt, das ist zu knapp. Aber es wird jetzt sicher nicht so sein, dass er locker reingeht in jedes Spiel und sich denkt: wenn ich verliere, ist es auch egal. Das sicher nicht.

  Premier League: Tottenhams Son mit Viererpack gegen Southampton

Alexander Strecha

Aber der Titel gibt vielleicht Lockerheit?
Vielleicht. Druck ist immer vorhanden und auch förderlich. Man will dann ein zweites Grand-Slam-Trunier gewinnen, auf Sand zu gewinnen, in Australien zu triumphieren. Wie Dominic damit umgeht, wissen wir nicht. Diese Situation hat er erstmals. Ich glaube nur, dass es leichter für ihn ist in seinem Alter, als er hätte das mit 17 Jahren geschafft wie einst der Boris Becker. Da strömt alles auf dich als jungen Menschen ein, das ist wie eine Watsch’n. Aber Dominic bringt schon Routine und Erfahrung mit, um gut mit der Situation umzugehen.

Wie hoch ist Ihr Puls raufgegangen?
Wenn das dein eigenes Kind ist, dann ist es schon eine Spur emotionaler als bei einem anderen Schützling. Du leidest anders mit.

War es im Nachhinein gut oder schlecht, dass Sie nicht in New York sein konnten?
In Australien beispielsweise haben wir nicht mitbekommen, was in Österreich abgeht. Dort sind wir nur zwischen Tennisplatz und Hotel gependelt, ab und zu gehst du was essen. Jetzt haben wir von der Stimmung hier viel mehr mitbekommen.

Wie war der erste Kontakt?
Gleich nach seinem Interview am Platz haben wir telefoniert.

Waren sie den Tränen nahe?
Wir sind nicht so nah am Wasser gebaut. Aber wenn man einen Profi wie den Zverev sieht, den dann die Emotionen übermannen, dann merkt man erst, wie viel Leidenschaft dahinter steckt.

Fühlen Sie …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

(Visited 3 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.