Schiedsrichter-Legende Urs Meier über Handspiel, VAR und Fehlentscheidungen

Sport

Der langjährige Schweizer Referee Urs Meier über vermeintliche Fehlentscheidungen bei der EM, die Rolle des VAR und Österreichs Schiedsrichter-Zukunft.

Urs Meier hat fast 900 Spiele als Profi-Schiedsrichter gepfiffen. Unter anderem bei Europa- und Weltmeisterschaften oder auch das Champions-League-Finale 2002. Er war später Chef der Schweizer Schiedsrichter und UEFA-Referee-Beobachter. In seinem „Urs Meier Podcast“ gemeinsam mit dem deutschen Journalisten Ralf Kohler verfolgt er auch die EM in Deutschland sehr genau.

Im KURIER-Gespräch erklärt er, warum Deutschland sich zu Unrecht über ein Handspiel im Strafraum der Spanier aufregt, was ihn am VAR stört und welches Beispiel sich der Fußball am Eishockey nehmen könnte. 

KURIER: Wie zufrieden kann man mit den Leistungen der EM-Referees sein?

Urs Meier: Nach der Vorrunde habe ich „gut bis sehr gut“ gesagt. Nach dem Viertelfinale ist es immer noch gut. Teils auch sehr gut. Es ist immer noch so, dass man mehr über Fußball spricht als über die Schiedsrichter. Und das ist immer ein gutes Zeichen.

Seit dem Viertelfinal-Aus der Deutschen gegen Spanien wird allerdings heftig darüber diskutiert, ob das Handspiel von Marc Cucurella strafbar war. Der Ball hat den Arm berührt und hat seine Bahn geändert …

…was aber kein Kriterium ist. Ein Kriterium ist die Frage, ob es Absicht war oder nicht. Und dann geht es darum, ob es eine natürliche Armhaltung ist. Hinzu kommt, dass es ein scharfer Schuss aus kurzer Distanz war. Der Spieler kann den Arm gar nicht wegnehmen. Was will man noch mehr? Wenn der Ball zum Arm geht und nicht der Arm zum Ball, ist es einfach kein Handspiel.

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Aber das ist in der Vergangenheit auch schon anders ausgelegt worden …

Das ist das Problem! Wie es zum Beispiel im Spiel Deutschland gegen Dänemark ausgelegt wurde, ist einfach falsch. Auch da war es eine natürliche Bewegung, eine kurze Distanz und keine Absicht. Den hätte man nicht pfeifen sollen. Dann hätte man vielleicht auch nach dem Spanien-Spiel weniger Diskussion gehabt. Schiedsrichter Anthony Taylor hat es im Deutschland-Spanien-Match so umgesetzt, wie UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti dies vorab verlangt hat. Und jetzt wird er kritisiert dafür.

Der VAR hat sich hier also nicht gemeldet, weil er keine klare Fehlentscheidung sah. Es gab bei der EM umgekehrt auch umstrittene VAR-Entscheidungen wie hauchdünne Abseitsentscheidungen oder das Handspiel des Belgiers Lois Openda gegen die Slowakei. Muss ein VAR da überhaupt einschreiten?

Er muss einschreiten, wenn es sich um eine klare Fehlentscheidung handelt. Im Dänemark-Fall war es aber so, dass Schiedsrichter Michael Oliver einfach gar nicht reagiert hat. Er hat nicht entschieden – weder für noch gegen Handspiel. Dann muss der VAR einschreiten und sagen: „Hast du das gesehen?“ Im Gegensatz zum Spanien-Spiel. Da hat der Schiedsrichter gegen Handspiel entschieden. Da muss der Videoassistent auch nicht mehr kommen, weil es keine klare Fehlentscheidung war.

Treffen Schiedsrichter heutzutage zu wenige Entscheidungen auf dem Platz?

Absolut! Das ist das große Dilemma. Dadurch trifft der VAR Entscheidungen, die er gar nicht richtig treffen kann. Er sieht die Absicht nicht und die Geschwindigkeit auf dem Bildschirm ist auch eine andere.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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