Von Betrugsvorwürfen und Analkugeln: Wie ein Schachduell eskalierte

Sport

Es geht um Schachkönig Carlsen, den aufstrebenden Jungstar Niemann, unterschwellige Betrugsvorwürfe und einen Scherz um ein Sexspielzeug.

Die Schachwelt kommt nicht zur Ruhe. Und mitverantwortlich dafür ist der beste Schachspieler der Gegenwart, Magnus Carlsen. Der Norweger, seit 2013 Weltmeister, liefert sich seit Wochen ein Duell mit US-Jungstar Hans Niemann, das längst nicht mehr nur am Schachbrett ausgetragen wird. Wer glaubt, Schach sei ein fader Sport ohne Drama, wird derzeit eines Besseren belehrt.

Im Rahmen des Julius-Bär-Generationen-Cups trafen der 31-jährige Carlsen und der 19-jährige Hans Niemann nun erneut aufeinander. Die Online-Partie der beiden Rivalen dauerte aber nur wenige Sekunden. Nachdem der junge US-Amerikaner seinen zweiten Zug mit einem Bauern gemacht hatte, gab Weltmeister Carlsen auf und kappte umgehend die Internet-Leitung. Fassungslos zurück blieben sein Gegner und die Online-Zuschauer.

Große Aufregung

Es ist eine neue Eskalationsstufe in diesem Kräftemessen am Schachbrett. Wie aber kam es dazu? Und was haben Analkugeln damit zu tun?

Anfang September hatte Magnus Carlsen gegen Hans Niemann überraschend eine Niederlage kassiert, die erste seit 53 klassischen Partien und die erste mit Weiß seit über zwei Jahren.

Erstmals in seiner Karriere stieg Carlsen danach aus einem Turnier aus, auf Twitter postete der größte Star der Szene nur eine YouTube-Sequenz von Fußballtrainer José Mourinho: „Ich ziehe es vor, nicht zu sprechen. Wenn ich spreche, habe ich große Probleme. Und ich möchte keine großen Probleme haben.“

Somit hat Carlsen keinen Betrugsvorwurf offen ausgesprochen, schon gar nicht hat er Beweise vorgelegt. Doch der Skandal war perfekt, die Aufregung groß. Sofort sah sich der junge US-Amerikaner Niemann im Internet mit Betrugsvorwürfen konfrontiert, weil er den Weltmeister dermaßen vorgeführt hatte. Seither ist die Schachwelt in zwei Lager gespalten. Die Carlsen-Fans attackieren Niemann frontal, andere verteidigen den Buhmann und pochen auf die Unschuldsvermutung.

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Niemann hat zugegeben, dass er sich einst in Partien auf einer Online-Plattform zweimal von Computern helfen ließ, als Zwölf- und als 16-Jähriger. Bei einem Spiel am Brett hätte er jedoch nie betrogen. Er beschuldigte Carlsen, seine Karriere zerstören zu wollen. „Wenn sie wollen, dass ich mich völlig nackt ausziehe, werde ich es tun,“ sagte er dem Guardian. „Denn ich weiß, dass ich sauber bin.“ Er würde sogar in einer Box spielen, ohne elektronische Übertragung.

Kleine Hinweise

In einem Spiegel-Interview erklärte Schach-Experte Frederic Friedel kürzlich, dass auf höchstem Niveau die kleinsten Hinweise zum Betrügen genügen. Wie etwa ein „Ja“ zu signalisieren, damit der Spieler weiß, dass er auf Gewinn steht und attackieren kann. Dies kann etwa durch einen Trainer erfolgen, der sich rechts oder links neben eine Frau im roten Kleid setzt (bei der WM gibt es deshalb Sichtschutz, Anm.). Es können aber auch akustische Signale sein, wie etwa ein hupendes Auto auf der Straße oder auch elektronische Hilfsmittel, wie ein erbsengroßer, vibrierender Empfänger.

Lennart Ootes / Grand Chess Tour

Die Schachszene reagierte jedenfalls irritiert und kritisch auf Carlsens Aufgabe. Er sei „sprachlos“, meinte der ungarische Großmeister Péter Lékó. Der britische Großmeister David Howell erklärte: „Es sind einfach bizarre Zeiten.“ Aus der Sicht der Internationalen Meisterin Jovanka Houska, Kommentatorin bei dem Turnier, habe Carlsen „Öl ins Feuer gegossen. Er kann nicht sagen: ‚Ich glaube, du hast betrogen‘, …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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