Von der Streif abgeworfen und wieder aufgestanden

Sport

Grugger, Albrecht, Stemmle und Co.: Die Streif hat mehrere Karrieren beendet. Die Kitz-Opfer und ihre neuen Rollen.

Zwei Monate sind wie aus seinem Gedächtnis gestrichen. Hans Grugger, 40, vermisst diese zwei Monate nicht. Er weiß nicht mehr, wie und warum er am 20. Jänner 2011 auf der Streif stürzte. Er kann sich nur dunkel erinnern, dass ihm nach wochenlangem Koma die halbe Schädeldecke fehlte. Die wurde ihm zwischenzeitlich entfernt, „um für Druckablass in meinem Hirn zu sorgen“.

Heute bekommt Grugger nur noch bei einem Wetterumschwung Kopfschmerzen. Als Streif-Souvenir sind Gefühlsstörungen im rechten Bein geblieben. Dieses Handicap verdarb zunächst die Freud’ am Skifahren. „Weil mir der Schwung nicht mehr so exakt gelungen ist.“ Als der Salzburger aber auf Ersuchen seines ehemaligen Alpinchefs Hans Pum letzten Sommer zehn Tage als Trainer des OÖ-Nachwuchsteams in Zermatt einsprang, hat er die Symbiose aus Natur und Sport als „unheimlich befreiend“ genossen.

APA/HANS KLAUS TECHT

Am Ort des Unfalls: Grugger 2013 bei der Mausefalle

Den Skiweltcup verfolgt der zweifache Familienvater nicht immer im TV. Zumal er während Wochentagsrennen in der Bad Ischler Sportmittelschule Geografie und Turnen unterrichtet.

Hatte sich Grugger anfänglich als Unfallfolge „kaum fünf Minuten“ beim Lesen konzentrieren können, so holte der g’lernte Koch die Matura nach, bestand die Lehramtsprüfung. Das sei ihm nur gelungen, weil ihn der Profisport gelehrt hatte, angestrebte Ziele auch zu erreichen, sagt er.

Schmerzensgeld für Stemmle

Nicht nur Hans Grugger verdankt dem optimalen Funktionieren der Rettungskette auf der Streif sein Leben. Der Ski von Brian Stemmle verfing sich 1989 an der Steilhang-Ausfahrt im Sicherheitsnetz – Beckenbruch und Darmriss. Der Kanadier prozessierte. Die Kitzbüheler mussten das höchste Schmerzensgeld ihrer Ski-Club-Geschichte zahlen. Heute kommentiert Stemmle, 56, Skirennen von Toronto aus für CBS.

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Andreas Schifferer erlitt 2006 ein Schädel-Hirn-Trauma und lag drei Tage im Koma. Hermann Maiers Zimmerkollege gewann danach noch acht Speedrennen, darunter am heutigen 19. Jänner vor genau 25 Jahren am Lauberhorn. Abgetaucht in esoterische Bereiche, hat Schifferer, 48, der jetzt Ferienwohnungen vermietet, kaum noch Kontakt zur Rennfamilie.

KRISTIAN BISSUTI/Kristian Bissuti

Lag 2006 drei Tage im Koma: Andreas Schifferer

Koma und Comebackversuch

Dem US-Amerikaner Scott Macartney wurde – ähnlich wie Schifferer – zwölf Jahre später der Zielschuss zum Verhängnis. Aufprall mit 141,1 km/h am 19. Jänner 2008, seinem 30. Geburtstag. Auch er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Auch Macartney riskierte wieder Starts. Fuhr aber der Konkurrenz nur noch hinterher.

Der Schweizer Daniel Albrecht lag nach seinem missglückten Zielsprung 2009 drei Wochen im Koma.

Beim Comebackversuch spielte der Kopf nicht mehr ganz mit. Mit Köpfchen etablierte sich Albrecht, 39, indes im Geschäftsleben. Seine Mondhäuser (angefertigt mit bei Vollmond geschlägertem Holz) wurden zum Erfolgsmodell. Seine inzwischen gewinnbringend verkaufte Albright-Modelinie trug Beat Feuz nach dem Olympiasieg in China. Jener Schweizer Symphatikus, der in Kitz letzten Rennen bestreitet. Sein Head-Markenkollege Matthias Mayer kam ihm in Bormio mit dem Adieu-Sagen zuvor…

Auch Hans Grugger war von Mayers Aktion völlig überrascht. „Mein Hochachtung, wie Matthias das ohne viel Trara gemacht hat.“

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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