Vor Ski-Auftakt in Sölden: Ein Start ins Ungewisse

Sport

Covid-Tests, Geisterrennen, Sicherheitsvorkehrungen – mit dem Damen-Riesentorlauf in Sölden beginnt am Samstag ein Weltcup-Winter voller Fragezeichen.

Es dämmert schon in Sölden Schneeflocken wirbeln durch die Luft, weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Nur an einem Parkplatz am Ortsrand lungern einige seltsame Gestalten herum. Alle haben eine Maske über Mund und Nase gestülpt, manche haben die Kapuzen und Kappen so tief ins Gesicht gezogen, dass man nur noch ihre Augenschlitze erkennen kann. Einige sind mit seltsamen, langen Stangen bewaffnet. Auf ein Zeichen verschwindet einer nach dem anderen im Untergrund.

Was wie eine Szene aus einem billigen Krimi aussieht, ist die neue Realität im Weltcup. Die obligaten Saisoneröffnungspressekonferenzen, die in Sölden in der Freizeit Arena traditionell für Massenaufläufe und wildes Gedränge sorgen, finden heuer coronabedingt in einer Hotel-Tiefgarage statt. Dort im Untergrund, wo’s zugig ist wie in einem Hühnerstall, stehen die Läufer mit gebotenem Sicherheitsabstand Rede und Antwort. Und damit die Sportler nicht gar so schreien müssen, sind die ausziehbaren Selfie-Sticks neben der Maske gerade das wichtigste Utensil der Journalisten.

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Bernadette Schild im Gespräch mit den wenigen Journalisten

Es wird heuer, das dürfte spätestens mit dem Weltcup-Auftakt in Sölden allen klar geworden sein, ein anderer Skiwinter werden. Eine Saison, die nicht nur aus sportlicher Sicht Fragen aufwirft.

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf die Skiläufer?

Der Alltag hat sich für alle extrem verändert. Seit Monaten sind die verschiedenen Teams praktisch nur unter sich, und auch dann wird nur in Kleinstgruppen trainiert, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Einige Sportler haben bereits mehr als ein Dutzend Covid-Tests hinter sich, die Athleten sind angehalten, soziale Kontakte zu vermeiden. „Das ist eigentlich gegen mein Naturell, aber man gewöhnt sich dran“, sagt Damen-Cheftrainer Christian Mitter. „Der Vorteil ist, dass man als Sportler weiß, was es heißt, diszipliniert sein zu müssen“, ergänzt Katharina Liensberger.

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In diesen Trucks wird in Sölden getestet.

Hat die Corona-Krise die Vorbereitung auf diese Saison beeinträchtigt?

Es mag für viele überraschend kommen, aber die Läufer und Trainer schwärmen einhellig von einer perfekten Sommervorbereitung. Dass die anstrengenden Trainingskurse in Übersee ausgefallen sind, haben etliche Sportler sogar begrüßt, zumal sie auf den heimischen Gletschern genug Skitage sammeln konnten. „Für uns war Corona eine gute Sache“, sagt Herren-Technik-Coach Marko Pfeifer.

APA/EXPA/JOHANN GRODER / EXPA/JOHANN GRODEREndet die Durststrecke der ÖSV-Damen in den technischen Disziplinen?

Die letzten Weltcupsiege in Slalom und Riesentorlauf sind längst verjährt (siehe Infobox unten), es gab in den vergangenen Wintern aber auch kein Vorbeikommen an den Seriensiegerinnen Mikaela Shiffrin (fehlt in Sölden), Petra Vlhova oder Federica Brignone. Die Vorarlbergerin Katharina Liensberger stand in der letzten Saison in beiden Disziplinen bereits auf dem Stockerl und sagt: „Ich bin gereift.“

Ist ein ÖSV-Gesamtweltcupsieg realistisch?

Matthias Mayer hat durchaus das Potenzial, wie seine Siege in drei Disziplinen (Super-G, Abfahrt, Kombi) im letzten Winter zeigen. Wenn der Kärntner jetzt auch noch im Riesentorlauf konstant Punkte sammelt, könnte er ein Wörtchen mitreden.

Werden Rennen mit Zuschauern stattfinden?

Stand jetzt ist damit nicht zu rechnen. Die Schweizer Bewerbe werden alle als Geisterrennen stattfinden. Auch Kitzbühel plant ohne Fans.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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