Wie Olympia-Bronze das Leben von Teresa Stadlober verändert hat

Sport

Die Medaille in Peking verhalf der Langläuferin zu enormer Popularität. Ein Gespräch über Gratulationen im Alltag und neue Ziele nach dem Lebenstraum.

An einem bitterkalten Samstag im April wurde Teresa Stadlober so richtig warm ums Herz. Ihre Heimatgemeinde Radstadt hatte für die erste österreichische Olympia-Medaillengewinnerin im Langlauf einen Empfang organisiert, doch das Wetter wollte nicht mitspielen. „Null Grad, immer wieder hat’s geschneit“, erinnert sich Stadlober, die schon die größten Bedenken hatte, dass ihre Ehrung nur im kleinsten Kreis stattfinden würde. „Und dann sind so viele Leute gekommen. Das hat mir sehr viel bedeutet.“

So ergeht es Teresa Stadlober ständig seit ihrer Rückkehr von den Winterspielen in Peking. Ihre Bronzemedaille im Skiathlon hat die Österreicher mehr bewegt, als sich die 29-Jährige jemals ausmalen hätte können.

Und deshalb passieren im Leben von Teresa Stadlober nun Dinge, die sie so nicht gekannt hat. Wildfremde Menschen sprechen sie an und erzählen, wie sie bei Olympia vor dem Fernseher mit ihr mitgezittert und am Ende mitgejubelt hätten. „Mir war das in Peking nicht bewusst, wie viele Leute das daheim verfolgt haben. Die Resonanz ist immer noch riesig“, sagt die 29-Jährige. „Ich versteh’ das nicht: Die müssten mir doch gar nicht alle gratulieren.“

Wahrscheinlich lag es auch an der Vorgeschichte, an den Ereignissen bei den Winterspielen 2018 in Korea. Die meisten Sportfans haben noch die Bilder im Kopf und die entsetzte Stimme von Papa und ORF-Kommentator Alois Stadlober im Ohr, als Tochter Teresa im 30-Kilometer-Rennen auf dem Weg zur sicheren Medaille in der Loipe falsch abgebogen war. „Nach dem, was damals passiert ist, war die Medaille eine runde Geschichte“, sagt Teresa Stadlober. „Man kann sich nicht vorstellen, wie zufrieden mich das macht. Ich habe gesehen: Ich kann es, ich kann es wirklich.“

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Denn natürlich waren bei ihr die Selbstzweifel ein lästiger Begleiter. Bis Peking war die Einzelkämpferin bei Großereignissen zwar immer mittendrin, aber nie wirklich dabei, wenn’s dann um die Medaillen ging. „Ich hab’ mir gedacht: Das gibt’s ja nicht, nie geht es sich aus. Und klar habe ich mir die Frage gestellt: Schaffe ich es überhaupt einmal? Weil ich werde ja auch nicht jünger.“

Die neuen Ziele

Unmittelbar nach dem Erreichen ihres großen Karriereziels habe sie eine gewisse Leere gespürt, gesteht Stadlober. Sie war ausgelaugt von drei Wochen in China bei minus 20 Grad, und mit ihren Kräften am Ende. Doch sobald sich ihr Körper von den Strapazen erholt hatte, war sie wieder voller Tatendrang. „Die Medaille hat mir viel Motivation gegeben“, sagt Stadlober. Von einer Sinnkrise, die manche Sportler nach dem Erreichen eines großen Erfolges befällt, merke sie jedenfalls nichts. „Ich habe noch genug andere Ziele: Konstanter sein im Weltcup, eine WM-Medaille – ich habe einiges vor.“

Ob sie ihre Medaille denn versilbern könne, werde sie manchmal gefragt, erzählt Teresa Stadlober. Sie muss darüber lachen. „Wenn ich viel Kohle verdienen wollte, dann dürfte ich nicht langlaufen. Ich mache das wegen der Emotionen. Die sind unbezahlbar. Was ich alles erlebt habe, was da alles in mir vorgegangen ist, das kannst du dir nicht kaufen.“

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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