Winheims Tagebuch: Die Geheimnisse hinter den Rollläden

Sport

Sind die elf besten Kicker automatisch die Richtigen? Die Vergangenheit zeigte durchaus andere Seiten des Turnier-Fußballs.

Müssen positiv Getestete wie Spaniens einziger im EM-Kader aufscheinender Ex-Weltmeister Sergio Busquets um ihren Einsatz bangen? Werden auch andere Nationalmannschaften Corona-bedingt zum Improvisieren gezwungen sein? Wird das Virus, das schon die einjährige Verschiebung der EM 2020 erzwang, die Endrunde 2021 auch sportlich stark beeinflussen? Konträr zu diesen Fragen braucht man kein Hellseher sein, um zu prophezeien, …

… dass zwei Drittel der 24 Teamchefs nach der EM hinausgeworfen oder zurücktreten werden;

… dass trotz elektronischer Torlinientechnik, trotz des VAR (Video Assistant Referee), der bei Österreichs letzter EM-Teilnahme 2016 noch nicht im Einsatz war, über so manche Entscheidung gestritten werden wird;

… dass von Spielern und Teamchefs vor Mikrofonen kaum zu hören ist, was der Interviewte denkt, sondern entschuldigend nur die mangelnde Chancenauswertung bedauert werden wird;

… dass erst die K.-o.-Phase Highlights garantieren, die Vorrunde aber nicht Niveau und Tempo von Champions-League- und Europa-League-Finali erreichen wird.

Klubs stärker als Teams

Länderspiele (nicht nur die mit österreichischer Beteiligung) verblassten zuletzt im Vergleich zum internationalen Top-Klubfußball immer mehr. Waren von vorsichtigem Ballgeschiebe geprägt. Was auch daran liegt, dass es für (vom Klub und nicht vom Verband hoch bezahlte) Legionäre gilt, bei Länderspieltests Verletzungen tunlichst zu vermeiden. Zudem ist es nur im Verein möglich, das ganze Jahr über täglich Laufwege, Standardsituationen und taktische Variante zu üben.

Nationaltrainer müssen im Schnellsiedeverfahren die richtige Mischung finden. Wobei sich oft herausstellte, dass die elf Besten nicht automatisch die elf Richtigen sind.

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Um die Jahrtausendwende hatte es sich eingebürgert, dass in den Camps die Rollläden runtergelassen werden. Und niemand beim Training kiebitzen kann. Aus Angst vor Betriebsspionage. Wobei zuweilen mit der Geheimhaltung geblufft und kräftig übertrieben wird. So waren vom Deutschen Fußball-Bund bei der WM 2002 im südjapanischen Miyazaki fünf treue deutsche Fans mitleidlos ausgesperrt worden, obwohl die dem Nationalteam 9.300 Kilometer weit nachgeflogen waren.

Womit der damalige Teamchef Rudi Völler (heute in Leverkusen Vorgesetzter von ÖFB-Teamkapitän Julian Baumgartlinger) nicht gerechnet hatte: dass sich im 22. Stock eines nahen Hotels eine Aussichtsplattform mit Fernrohr für die Touristen befand. Und so konnten deutsche Reporterkollegen und ich beobachten, wie sich das geheime Spezialtraining in Wahrheit abspielte:

Während Torhüter Oliver Kahn mit Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt plaudernd Laufrunde um Laufrunde drehte, vergnügten sich die Feldspieler beim Fußball-Tennis. Die Deutschen sind (mit Ex-Rapidler Carsten Jancker) kurz später trotzdem Vizeweltmeister geworden.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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