780 Euro mehr im Börsel – aber nur in Irland

Wirtschaft

Agenda Austria: Lediglich in Belgien und Deutschland kassieren Finanz und Sozialversicherung noch mehr vom Durchschnittsverdienst

Mehr Netto vom Brutto! Diese durchaus populäre Forderung haben schon so gut wie alle Parteien im Namen der arbeitenden Bevölkerung erhoben. Ihre Umsetzung ist bisher bestenfalls ansatzweise geglückt. Österreich ist und bleibt auf Sicht ein absolutes Hochsteuerland.

Auch der erste Schritt der Steuerreform hat im Vorjahr die Belastung nur im untersten Einkommensbereich reduziert. Auf einen Durchschnittsverdiener bezogen (3.476 Euro brutto bei einer ganzjährigen Vollzeitbeschäftigung) sank die Belastung mit Steuern und Sozialabgaben um gerade einmal 0,6 Punkte auf 47,3 Prozent.

Unrühmliches Bronze
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Österreich belegt damit unter den 37 führenden Industrienationen innerhalb der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) den unrühmlichen dritten Platz der „teuersten“ Länder. Nur in Belgien (51,5 Prozent) und Deutschland (49 Prozent) bleibt nach Abzug von Lohnsteuer und Sozialabgaben beim Durchschnittsverdiener (Single, keine Kinder) noch weniger netto im Börsel als in Österreich.

Würde demnach der heimische Durchschnittsverdiener nach deutschem Recht besteuert, hätte er monatlich fast 90 Euro weniger am Konto.

Viel mehr zum Leben

Umgekehrt formuliert heißt das: In allen anderen Ländern (siehe Grafik mit EU-Vergleich) bleibt dem durchschnittlichen Arbeitnehmer Monat für Monat deutlich mehr zum Leben. Beispielsweise in Frankreich oder Italien, aber am meisten in Irland: 781 Euro pro Monat – also rund 9.370 Euro im Jahr.

Das hat die wirtschaftsliberale Denkfabrik Agenda Austria auf Basis neuer OECD-Daten errechnet, die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

Durchaus interessant ist auch: Selbst in traditionellen Wohlfahrtsstaaten wie Schweden oder Dänemark behalten Finanz und Sozialversicherung weniger vom Lohn ein.

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So hätte der österreichische Durchschnittsverdiener im schwedischen System mehr als 240 Euro und im dänischen sogar 630 Euro mehr pro Monat zur Verfügung.

Wachstumsbremse

Agenda-Ökonom Dénes Kucsera schildert die Folgen der österreichischen Situation: „Die Entstehung neuer Jobs nach der Krise wird erschwert und die Arbeitnehmer haben weniger Geld zur Verfügung. Das wirkt sich negativ auf den Konsum aus. Darüber hinaus sinkt der Anreiz, einer Beschäftigung nachzugehen.“

Etwas besser sieht die Situation in Österreich bei Familien aus (zwei Kinder, ein Elternteil ist berufstätig).

In dieser Betrachtung liegt Österreich mit einer durchschnittlichen Steuer- und Abgabenlast von 32 Prozent auf Platz 11 der teuersten Länder (OECD-Durchschnitt: 24,4 %). Die geringere Steuerbelastung für Familien liegt an den Einmalzahlungen in der Coronakrise, aber auch an Faktoren wie der Familienbeihilfe oder dem erst 2019 eingeführten „Familienbonus“ für Kinder.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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