AT&S-Chef Gerstenmayer: „Da reißt mir langsam die Hutschnur“

Wirtschaft

Konzernchef verärgert über heimische Corona-Politik und in Sorge um wirtchaftliche Zukunft der EU.

Nicht nur in der Bevölkerung, auch in der Industrie wird das Murren über die Corona-Politik lauter.

„Diesen Slalom-Kurs, den wir fahren, auf-zu-auf-zu, Regeln, die keiner mehr nachvollziehen kann, das ist nicht hilfreich und nicht sinnvoll“, sagt AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer im KURIER-Gespräch.

Das politische Ansinnen, eine generelle FFP2-Maskenpflicht in der Industrie einzuführen, hält der Top-Manager für wenig zielführend.

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AT&S-Chedf Andreas Gerstenmayer

Sein Konzern, aber in Wahrheit die gesamte heimische Industrie, habe im In- und Ausland gezeigt, wie der Umgang mit Corona funktioniere. Mit „wenigen, klaren Regeln“ sei das gelungen. Nirgends habe es größere Cluster oder nennenswerte Vorfälle gegeben. Gerstenmayer: „Uns jetzt nach einem Jahr zu sagen, wie es bei uns besser ginge, das finde ich schon fast eine Zumutung.“

Heißeste Phase

Der Manager schildert die Erfahrungen im Umgang mit Corona in den fünf AT&S-Werken in Asien. Selbst in Indien sei es in der heißesten Phase, in der es bezogen auf die Bevölkerung in der Umgebung des Werkes 30 Prozent an Neuinfektionen gegeben habe, gelungen, den Basisbetrieb aufrecht zu erhalten. Gerstenmayer: „Und jetzt geht es so weit, dass die Politik, die selbst die Dinge nicht im Griff hat, beginnt, uns in der Industrie vorschreiben zu wollen, wie wir die Dinge zu handhaben haben. Ich lasse mir doch nicht von denen, die bewiesen haben, dass sie es nicht können, vorschreiben, was wir zu tun haben. Da reißt mir langsam wirklich die Hutschnur.“

In China sei die Pandemie bereits sehr gut unter Kontrolle. „Die Lokale sind offen, die Leute gehen einkaufen, Maskenpflicht gibt es kaum mehr.“

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Die AT&S ist Österreichs größter Investor in China und in der Mikroelektronik im Bereich der Leiterplatten und „IC Substrate“ (integrierte Schaltkreise) ein weltweit führender Hersteller. AT&S-Leiterplatten finden sich in deutschen Autos ebenso wie in amerikanischen Smartphones.

Probleme in der Reisetätigkeit mit Asien gebe es nicht, sie finde ja de facto nicht statt. „Es wäre eine vordringliche Aufgabe der Politik, zu internationalen Vereinbarungen zu kommen, wie wir zumindest die Geschäftsreisen so schnell wie möglich wieder aufnehmen können“, meint der AT&S-Chef.

Neben den Corona-Folgen bereitet ihm Sorgen, dass Europa in der Schlüsseltechnologie der Mikroelektronik massiv an Boden verloren habe. Es fehle in vielen Bereichen die gesamte Lieferkette und große Firmen wie Intel oder Qualcomm, die die Entwicklung vorantreiben würden. 2013 wollte die EU bis 2020 einen Weltmarktanteil in der Mikroelektronik von 20 Prozent schaffen. Heute, 2021, stehe man bei 8,4 Prozent – Tendenz fallend.

Europa hinkt hinterher

Beispiele dafür gebe es viele: In China fahren mehr E-Autos als in Europa, auch in der Batterietechnik seien die Chinesen führend. „Europa läuft permanent hinterher. Wir sind vom Trendsetter und globalen Innovator zum ,second mover‘ geworden.“

Ein Hoffnungsfeld ist für ihn der Kampf gegen den Klimawandel. Hier spiele energie-intelligente Elektronik eine immer wichtigere Rolle. „Diese Technologie gibt es bei uns und in anderen Regionen oft noch nicht. Das ist eine Chance, die man intensiver nutzen sollte.“ Vom Verkehr bis zur Stromerzeugung und -übertragung wären Milliarden einzusparen, ohne Abstriche bei Nutzen oder Komfort hinnehmen zu müssen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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