„Bio und Gentechnik sind kein Widerspruch“

Wirtschaft

Biobauer Simon Mühl verweist auf die Vorteile der Neuen Gentechnik.

Für die Wissenschaft ist es ein Sieg der Vernunft, für die Gentechnikgegner ein Desaster. Die strengen Regeln der Gentechnik sollen nicht für die Züchtungsmethoden der „Neuen Gentechnik“ gelten. Das EU-Parlament hat einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission wie berichtet diese Woche angenommen. Von den österreichischen EU-Mandataren hat lediglich Neos-Abgeordnete Claudia Gamon für den Vorschlag gestimmt.

Simon Mühl kennt sich nicht nur in der Landwirtschaft aus, sondern auch bei der Gentechnik. Der Biobauer aus Deutsch-Wagram (Niederösterreich) hat Biotechnologie studiert. Sein Zugang zur Neuen Gentechnik ist nicht von Emotionen geprägt, sondern von wissenschaftlichen Erkenntnissen. 2019 hat er den elterlichen Bio-Betrieb übernommen. Auf 87 Hektar werden Getreide und Gemüse angebaut.

Anders als viele Biobauern sieht er in der neuen Gentechnik vor allem eine Chance. „Ich bin enttäuscht von der Politik. Wenn es um Klimaschutz geht, wird immer auf die Wissenschaft verwiesen. Aber bei der Neuen Gentechnik wird die wissenschaftliche Sicht völlig ignoriert.“

Die Neue Gentechnik könne in der Landwirtschaft für die Reduktion des Einsatzes von Düngemitteln und Pestiziden sorgen, verweist Mühl auf die Vorteile. „Die Methoden der Züchtungen sind präziser und schneller.“ Die neue Technologie mache es möglich, dass Züchtungen rascher an die neuen Anforderungen des Klimawandels angepasst werden. Wegen der wachsenden Weltbevölkerung sollen ja auch die Erträge der Landwirtschaft steigen. Mühls Konklusion: „Bio und Gentechnik sind kein Widerspruch.“

Sorgen macht ihm allerdings, dass durch die Neue Gentechnik die Abhängigkeit der Bauern von großen Saatgutproduzenten wachsen könnte. Im Gegensatz zu konventionellen Züchtungen ist es bei Gentechnik möglich, Patente anzumelden. Es ist dann anderen Saatgutproduzenten verboten, die Pflanze nachzuzüchten oder zur Weiterzucht für eine neue Sorte zu verwenden. Bei einer konventionellen Züchtung ist es sehr wohl möglich, die Pflanze für die Weiterzucht zu nutzen, ohne das ein Verstoß gegen das Patentrecht vorliegt.

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Mühl wünscht sich daher für die Neue Gentechnik ähnliche rechtliche Rahmenbedingungen wie für konventionelle Züchtungen. „Es ist legitim, dass Unternehmen mit ihren Züchtungen Geld verdienen wollen. Das sorgt für Fortschritt. Gleichzeitig ist es Aufgabe der Politik in dieser Frage für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen und die Neue Gentechnik in geordnete Bahnen zu lenken.“

Dazu gehört für Mühl, dass es bei der ungewollten Auskreuzungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf den angrenzenden Feldern die Bauern von den Saatgutproduzenten nicht wegen Patentverletzung belangt werden können.

Polit-Folklore

Seit Jahren wird von Politkern und Umweltorganisationen behauptet, Österreich sei gentechnikfrei. Dabei ist Gentechnik in der Medizin durchaus üblich. Es wird auch im großen Stil gentechnisch verändertes Soja als Futtermittel importiert. Außerdem gibt es für gentechnisch veränderte Nahrungsmittelzusatzstoffe, wie sie etwa für die Produktion von Käse, Farbstoffen Vitaminen, Aromen oder Süßstoffen verwendet werden, keine Deklarationspflicht.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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