„Bitcoin-Land“ ist abgebrannt: China muss El Salvador retten

Wirtschaft

Die Pleite der Kryptobörse FTX bringt den Staat an den Rand des Bankrotts. Die Großmacht China eilt zu Hilfe. Nicht ohne Hintergedanken.

Was nun, Nayib Bukele? El Salvadors junger Präsident (41) steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Land führte vor einem Jahr als erstes Land weltweit die Kryptowährung Bitcoin als gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel ein. Dabei ging es in erster Linie nicht darum, dass die Bevölkerung damit bezahlt – das tut sie aufgrund von Armut und fehlender Internetzugänge bis heute nicht. Das Kalkül des laut Eigendefinition „coolsten Diktators der Welt“ war die Eindämmung der Staatsschulden. Ein steigender Bitcoin-Kurs sollte die Schuldenlast in Dollar quasi von selbst lösen.

Die riskante Wette ging nicht auf. Die Pleite der Kryptobörse FTX setzte dem Kursrausch ein jähes Ende. Stand Bitcoin bei der Einführung im Vorjahr noch bei 40.000 Dollar, so fiel er zuletzt auf unter 16.000 Dollar. Wer also im Vorjahr seine Dollar in Bitcoin gewechselt hat, ist nun in der finanziellen Bredouille. So wie auch der Staat El Salvador selbst.

Zahlungsausfall droht

Ratingagenturen warnen bereits vor einem Zahlungsausfall. Der Währungsfonds fordert das Land auf, Bitcoin als Zahlungsmittel umgehend abzuschaffen.  Die Zeit drängt. Schon im Jänner 2023 muss El Salvador 667 Mio. Dollar (646 Mio. Euro) für die Tilgung eines Eurobonds aufbringen. Bukele versucht die Flucht nach vorne und überraschte Anfang der Woche mit der Ankündigung, dass China bereit wäre, die Schulden vollständig zu tilgen. Damit nicht genug. Ein eigenes Freihandelsabkommen zwischen dem Reich der Mitte und dem Zwergstaat, der in etwa so groß wie Niederösterreich ist, soll die wirtschaftlichen Beziehungen der ungleichen Partner ankurbeln.

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REUTERS/SECRETARIA DE PRENSA DE LA PRESI

Präsident Bukele mit Chinas Botschafterin besiegeln Verhandlungsstart zum Handelspakt 

Eine gemeinsame Pressekonferenz mit der chinesischen Botschafterin in San Salvador verkündete am Montag den Beginn der Verhandlungen. Diese sollen zügig abgeschlossen werden. „Wir wollen alles produzieren, was für das chinesische Volk von Interesse ist“, versicherte Bukele, der sich gerne als „CEO“ seines Landes inszeniert. Ein ungleicher Deal, denn El Salvador importiert derzeit mehr als doppelt so viel Waren aus China wie es exportiert.

China wiederum nützt jede Gelegenheit, seinen wirtschaftlichen Einfluss in Zentralamerika zu stärken. Ähnlich wie in Afrika werden riesige Infrastrukturprojekte wie Wasseraufbereitungsanlagen finanziert. Als kleine „Gegenleistung“ beendete El Salvador seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan.

REUTERS/JOSE CABEZAS

Bukele als Avatar bei der Eröffnung der Bitcoin-City 

Despot

Für Bukele geht es um Machterhalt, 2023 wird gewählt. Das von kriminellen Banden beherrschte Land steht isoliert da, die Beziehungen zu den USA sind zerrüttet. Der einstige Hoffnungsträger Bukele wollte sich mit der „Bitcoinisierung“ des Landes auch selbst ein Denkmal als technologisch fortschrittlicher Visionär setzen und so bei der im Schnitt sehr jungen Bevölkerung punkten. Mit einer eigenen Bitcoin-City sollten Investoren angelockt werden, die internationale Krypto-Community zeigte sich begeistert. 

Doch Bukele hat sich inzwischen zum umstrittenen Despoten gewandelt, der seit März  per Notverordnung mit eiserner Hand regiert und Regimekritiker massenweise einsperren lässt. Menschenrechtsorganisationen sind alarmiert. Nirgendwo sonst sitzen so viele Bürger in Haft wie in El Salvador. Und mit Bitcoin zahlen wollen nur noch die wenigsten. Laut einer Umfrage sehen rund 65 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner die Einführung der digitalen …read more

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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