Der Frosch kämpft beim Recycling gegen Windmühlen

Wirtschaft

Wenn es um die Beliebtheit von Marken bei Haushaltsprodukten geht, belegt Frosch regelmäßig Topplatzierungen. Der Hersteller ist Werner & Mertz, ein Familienunternehmen mit Hauptsitz in Mainz, der seit 1953 im Salzburger Ort Hallein einen zweiten Produktionsstandort betreibt. Seine Produkte positioniert das Unternehmen als besonders nachhaltig. Damit sei aber große Anstrengung und viel Frust verbunden, wie der KURIER erfahren hat.

Zu viel Kunststoff verbrannt, zu wenig recycelt

„Das Kunststoffrecycling für Verpackungen funktioniert nicht gut. Viel zu viel wird verbrannt, zu wenig wird recycelt“, sagt Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz. Viele Produkte am Markt vermitteln den Eindruck, ökologisch gut verträglich und kreislauffähig zu sein, tatsächlich aber gebe es zu langsame systemische Veränderungen. Angesichts globaler Krisen und hoher Inflation sei das Umweltbewusstsein bei vielen Konsumenten gesunken. Der Marke Frosch hingegen bleibe die Kundschaft weitgehend treu, weshalb notwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeit fortgeführt werden könne.

Viel Experimentieren beim Verpackungsdesign notwendig

Auf der Suche nach möglichst vollständig wiederverwertbaren Verpackungen habe Werner & Mertz in der Vergangenheit viel experimentiert. Ausprobiert wurde etwa PET. Der von Getränkeflaschen bekannte Kunststoff gilt eigentlich als leicht recycelbar. Große Mengen entsorgten PETs werden allerdings nicht in den Kreislauf für Getränkeflaschen zurückgeführt. „Das Material wird nach China verkauft, wo daraus Fleecepullover entstehen“, so Glaz. Neben PET wurde HDPE stärker ins Visier genommen, ein Kunststoff, den man etwa von Duschgelverpackungen kennt. Auch die etwas weichere Variante LDPE – bekannt etwa von Flüssigseife-Nachfüllbeuteln – wird heute gerne verwendet, weil es damit möglich ist, große Mengen Rezyklat in neue Verpackungen einfließen zu lassen.

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Wie viel Tüftelei an kleinen Details oft notwendig ist, schildert Glaz am Beispiel einer Sprühflasche für Glasreiniger. Die Sprühpumpe, quasi der Abzug der Flasche, bestand früher aus einer Vielzahl von Materialien, darunter Metallteile wie Federn. Gemeinsam mit Partnern aus der Verpackungsindustrie hat man eine Pumpe entwickelt, die nur aus zwei Kunststoffsorten besteht. Der Rezyklatanteil konnte dadurch auf 29 Prozent gesteigert werden. Das sei in diesem Bereich ein guter Wert.

Andere würden sich so etwas nicht trauen

Die Neugestaltung von Verpackungen sei stets ein Seiltanz, so Glaz. Die Qualität für Kunden muss passen, denn: „Der Verbraucher entscheidet sich in drei Sekunden. Wenn ihn etwas irritiert, greift er zu einer anderen Marke.“ An manchen Punkten sei viel Mut gefragt. „Wir haben froschgrüne Verpackungen auf transparent geändert, weil sich das hochwertiger recyceln lässt. Ein anderer Hersteller wird dir den Vogel zeigen, wenn er seine Farben weglassen muss.“ Als Familienunternehmen sei es einfacher zu sagen: „Ich riskiere das jetzt einfach mal.“

Kopieren wäre eine Unterstützung

Das gemeinsame Entwickeln besser recycelbarer Verpackungen sei auch für Partnerunternehmen, etwa Alpla oder Mondi, ein gewisses Risiko. Sie müssen etwa Produktionsverfahren und Maschinen entwickeln, was hohe Kosten verursacht. Würden mehr Mitbewerber die neuen Verpackungen einsetzen, könnten die Stückkosten sinken. Doch eine derartige Unterstützung bleibe weitgehend aus. Frisch produzierter Kunststoff sei einfach billiger. Und nicht einmal die ab August geltende EU-Verpackungsverordnung (PPWR) scheint zu helfen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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