Der kollektive Krach um Löhne und Gehälter

Wirtschaft

Die Inflation macht die Kollektivvertragsrunden extrem schwierig. Dennoch loben Experten die „funktionierende“ Sozialpartnerschaft

Die Inflation stieg heuer von Monat zu Monat immer weiter an und erreichte zuletzt ein 70-Jahreshoch. Damit war klar, es wird ein heißer Herbst. Anfang September eröffnete ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian den Forderungsreigen mit markigen Ansagen. Er pochte auf einen Mindestlohn von 2000 Euro brutto, eine „nachhaltige“ Lohnerhöhung anstatt von Einmalzahlungen und wischte Arbeitgeber-Argumente einer drohenden Rezession vom Tisch: „Geht der Gewerkschafter durchs Zimmer, stimmen die Prognosen nimmer.“

Metaller

71 Stunden an Verhandlungen benötigten danach die traditionell richtungsweisenden Metaller, bis am 14. November alle Teilbereiche dem Abschluss der metalltechnischen Industrie (rund 135.000 von 200.000 Beschäftigten) zugestimmt hatten. Der Mindestlohn steigt um 7 Prozent auf 2.236 Euro, die Ist-Löhne um 7,4 Prozent. Einmalzahlungen spielten keine Rolle, obwohl sie bis 3.000 Euro steuerfrei wären. Kostenpunkt allein bei den Metall-Technikern: Bis zu 700 Millionen Euro.

Handel

Hier wird für den 2. und 3. Dezember mit Streik gedroht, sollte am kommenden Dienstag nicht doch noch eine Einigung erzielt werden. Es geht um 415.000 Angestellte und 15.000 Lehrlinge. Die Gewerkschaftsvertreter verlangen 8,5 Prozent plus einen Mindestbetrag, sodass niedrige Einkommen eine zweistellige Erhöhung bekommen. Im Schnitt würde das Gehaltsplus 9,37 Prozent betragen. Das ist den Arbeitgebern viel zu viel.

Bahn

Auch die 50.000 Eisenbahner sind streikbereit, obwohl der größte Arbeitgeber, die ÖBB, ab Dezember freiwillig 7,5 Prozent mehr zahlen will und bereit ist, den Mindestlohn auf 2.000 brutto anzuheben. Die Arbeitnehmer behaupten, das Arbeitgeber-Angebot sei zuletzt nur „kosmetisch“ nachgebessert worden. Diese kontern, die Gewerkschaft habe „den Boden der Realität verlassen“. Hick-hack pur: Am Montag findet ein österreichweiter Warnstreik statt.

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Sozialwirtschaft

Bei den privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufen ist am 17. November nach einer Demo und Betriebsversammlungen eine Einigung gelungen. 130.000 Beschäftigte bekommen acht Prozent für alle beziehungsweise 10,2 Prozent mehr für die Bezieher niedriger Einkommen. Die 35-Stundenwoche konnte nicht durchgesetzt werden.

AUA

Für das Bordpersonal gibt es eine Einigung, für den kaufmännischen Bereich laufen die Verhandlungen noch. In Kabine und Cockpit bekommen Beschäftigte 10,4 Prozent drauf. Der Gehaltsverzicht aus dem AUA-Sparpaket wurde weg verhandelt. Betriebsversammlungen gab es in Schwechat, Graz und Innsbruck beim Flughafen-Sicherheitspersonal, für Freitag ist eine solche am Flughafen Salzburg angekündigt.

Ordensspitäler

In sechs Wiener Ordensspitälern gab es am Mittwoch Warnstreiks. Die Arbeitnehmer wollen 500 Euro brutto drauf bzw. einen Mindestlohn von 2.000 brutto. Die Arbeitgeber wollen lieber sozial gestaffelte Einmalzahlungen. Eine Krankenpflegerin mit 10 Dienstjahren würde damit nur 53 Euro bekommen, wettert die Gewerkschaft.

Telekom

Bei der Telekom ist die Herbstlohnrunde noch voll im Gang. Die Arbeitnehmer wollen ein Gehaltsplus von 10,6 Prozent, wie das zunächst auch die Metaller gefordert hatten. 80 Prozent der 10.000 Beschäftigten sind zu einem Streik bereit.

Postbus

Beim Postbus will die Gewerkschaft sogar 11,65 Prozent sowie einen Sockelbetrag von 300 Euro. Das Arbeitgeber-Angebot von 7 Prozent sei „realitätsfremd“.

Reinigung

Hier stocken die Verhandlungen, die Arbeitnehmer wollen 2.000 Euro brutto als Mindestlohn, die Arbeitgeber sind nur zu 1.814 Euro bereit (ein Plus um 7,9 Prozent). Es geht hier um 55.000 großteils weibliche Beschäftigte bei einer Teilzeitquote von 70 Prozent.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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