Erwache, Drache! Chinesisches Neujahr löst historische Reisewelle aus

Wirtschaft

Mit Konsumrausch und Rekord an Einzelreisen will das Reich der Mitte dem konjunkturellen Winterschlaf entfliehen. Europa profitiert noch kaum davon

„Gong Xi Fa Cai“. Der traditionelle Neujahrswunsch, gerne übersetzt mit „viel Glück beim Reichwerden“, hat heuer einen schalen Beigeschmack. Die Wirtschaft schwächelt, der Konsum ist rückläufig. Geld ausgeben statt Geld ansammeln lautet daher die Devise für einen der wichtigsten Feiertage der Welt – das Fest zum Mondneujahr, weltweit bekannt als chinesisches Neujahrsfest. 

Jahr des Drachen beginnt

Mehr als eine Milliarde Menschen feiern heute, Samstag, den Beginn des Jahres des Drachens. Und das gleich eine ganze Woche lang. Behörden und Schulen bleiben geschlossen. Ganz China leuchtet im Schein Hunderttausender roter Laternen, Familien kommen zusammen, es wird ausgelassen gefeiert und traditionell werden kleine rote Kuverts mit Bargeld sowie Geschenke überreicht. 

REUTERS/FLORENCE LO

„Die Erwartungen sind heuer besonders groß, denn es ist das erste chinesische Neujahr wieder ohne Covid-Einschränkungen“, weiß Franz Rößler, Regionalmanager Asien in der Außenwirtschaftsabteilung der Wirtschaftskammer und früherer Wirtschaftsdelegierter in Hongkong.

Die Bargeld-Geschenke in roten Kuverts wurden inzwischen vielfach abgelöst von elektronischen Guthaben am Smartphone, mit denen im Internet eingekauft wird. „Um Kaufanreize zu schaffen, werben die eCommerce-Plattformen mit speziellen Neujahrs-Rabatten“, berichtet Rößler. Ein Konsumboost sei auch dringend nötig, um die lahmende Konjunktur anzukurbeln.

APA/AFP/PETER PARKSMultiple Krisen

Chinas Wirtschaft wuchs im Vorjahr zwar um 5,2 Prozent und erreichte damit das offizielle Ziel von rund 5 Prozent. Doch die Erholung verlief holprig, die Regierung in Peking musste mit Konjunkturspritzen nachhelfen. Seit Ende der Corona-Eindämmungsmaßnahmen Ende 2022 hat die Volksrepublik Schwierigkeiten, an die wachstumsstarke Zeit von vor der Pandemie anzuknüpfen. 

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Neben der weiter schwelenden Immobilienkrise rund um die Milliardenpleite Evergrande stottert auch der so wichtige Exportmotor. An den Börsen kam es zuletzt zu einem gefährlichen Ausverkauf, sodass die Führung in Peking eingreifen musste. Staatlich unterstützte Investoren weiteten ihre Aktienkäufe aus, und zugleich grenzten die Behörden Nettoverkäufe und Leerverkäufe etwa von Fonds ein.

Deflationsängste

Unsicherheit und Misstrauen in die Wirtschaftsleistung, aber auch steigende Arbeitslosigkeit dämpfen die Einkaufslust. Die Preise sind zu Jahresbeginn so stark gefallen wie seit über 14 Jahren nicht mehr und schüren damit Ängste vor einer konjunkturschädlichen Deflationsspirale. Die Inflationsrate lag im Vorjahr bei nur 0,2 Prozent. In Erwartung weiter sinkender Preise halten sich die Chinesen mit Ausgaben zurück.

In der Ferienwoche stehen viele Fabriken still, manche sogar länger. „Da hebt dann oft gar niemand am Telefon ab“, erzählt Rößler. Der Stillstand wirkt sich auf die Exporte und zum Teil auf globale Lieferketten aus.

Neun Milliarden Reisen

Statt in die Arbeit, gehen die Chinesen wieder auf Reisen. Egal ob Familienbesuch, Sightseeing oder ein lang ersehnter Urlaub: Die Reisewelle rollt nach den Corona-bedingten Einschränkungen der letzten Jahre wie nie zuvor. Ein ganzes Volk nutzt die neue Reisefreiheit. Die „Chunyun“ genannte Hauptreisezeit begann am 26. Jänner und dauert noch bis 5. März. Das chinesische Verkehrsministerium prognostiziert für diesen Zeitraum etwa neun Milliarden (!) Einzelreisen. 

APA/AFP/STR

Die Zahl ergibt sich, weil viele der Reisenden gleich mehrere Reiseabschnitte benötigen, um ihr Ziel zu erreichen oder gleich mehrere Reisen hintereinander unternehmen. Chinesische Medien sprechen vollmundig von der „größten Völkerwanderung in der Geschichte der Menschheit“.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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