Europas Antworten auf ChatGPT und welche Chancen sie haben

Wirtschaft

NXAI aus Österreich und andere europäische Start-ups wollen den großen US-Unternehmen bei Künstlicher Intelligenz Konkurrenz machen. Kann das gelingen?

KI-Anwendungen wie ChatGPT, das selbstständig Fragen beantworten und Texte erstellen kann, verbrauchen viel Rechenleistung und Energie. Der an der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) forschende deutsche KI-Pionier Sepp Hochreiter hat bereits vor Jahren eine Technologie entwickelt, die mit weniger Ressourcen auskommt. Gängigen Technologien, die hinter Anwendungen wie ChatGPT stehen, soll sie um nichts nachstehen. Mit dem vor kurzem gegründeten Unternehmen NXAI will er sie zur Marktreife führen. 

Neben der Forschung arbeitet NXAI auch an der Entwicklung von Produkten. „Wir wollen nicht nur forschen, sondern die Technologie auch in die Wirtschaft bringen“, sagt NXAI-Geschäftsführer Albert Ortig.  Er zählt mit seinem Unternehmen Netural X neben Hochreiter und der Pierer Digital Holding des Industriellen Stefan Pierer auch zu den Gesellschaftern des Start-ups. 

Anwendungen sieht Ortig viele – unter anderem in der Industrieautomation, beim Programmieren, aber auch in der Materialforschung und in der Medizin. Man konzentriere sich auf Bereiche, von denen man glaube, dass der Technologievorsprung einen Mehrwert für das Produkt bringen kann, sagt er. 

Damit reiht sich das Start-up in eine Reihe europäischer Unternehmen, etwa Aleph Alpha aus Deutschland oder Mistral AI aus Frankreich, die ebenfalls vielversprechende Modelle am Start haben und bereits hohe Summen von Investoren lukriert haben.

„Verbündete“

Ortig sieht sie nicht als Konkurrenten, sondern als Verbündete. Um der Übermacht der US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen in dem Bereich etwas entgegenzusetzen. „Wir werden aber mehr als zwei oder drei Unternehmen brauchen, um die Anforderungen zu lösen, die wir in der Wirtschaft haben“, so der NXAI-Geschäftsführer. Über eine gute Technologie zu verfügen, bringe auch geopolitisch Vorteile. 

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Ein neues ChatGPT zu bauen, hat man bei NXAI nicht vor. „3 Jahre Vorsprung und viele Milliarden sind kurzfristig gute Argumente dagegen“, sagt Ortig. Bei der Forschung ziele man darauf ab, die Basistechnologie zu verbessern. Die Grundlage könne für viele Anwendungen – darunter bestehende Sprachmodelle – auch von anderen Unternehmen genutzt werden.

Wie viel Geld die Gesellschafter bisher in das Unternehmen gesteckt haben, will man bei NXAI nicht verraten. Die Rede ist von einer „hohen Summe im Millionenbereich.“ Marktbeobachter schätzen, dass sie zwischen 15 und 30 Millionen Euro betragen dürfte.

In zwei bis drei Monaten will man den Nachweis erbracht haben, dass die Technologie tatsächlich hält, was sie verspricht. Dann soll die „nächste große Stufe“ gezündet werden. Der Investitionsbedarf dafür liege bei Hunderten Millionen Euro, sagt Ortig: „Die Infrastruktur, um Anwendungen unabhängig betreiben zu können, braucht sehr viel Kapital.“

NX-AI

NXAI Gründer: Felix Neusser von der Pierer Digital Holding, Sepp Hochreiter und Albert Ortig von Netural X (v.l.n.r.)

Unternehmen, die an solchen KI-Modellen arbeiten, seien eher mit klassischen Industriebetrieben als mit Software-Start-ups zu vergleichen, sagt Clemens Wasner, Vorsitzender des Thinktanks AI Austria. Die nötige Infrastruktur aufzubauen, könne man durchaus mit der Errichtung eines Werks vergleichen. Gerade in Europa sei es aber schwierig, Finanzierungen in der dazu nötigen Größenordnung zu erhalten: „Man kriegt vielleicht 20 Millionen, dreistellige Millionensummen schaffen nur wenige.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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