Faszination für verlassene Orte: Sieben leer stehende Bauikonen

Wirtschaft

Warum keine Menschen mehr darin wohnen und was in Zukunft mit ihnen geschieht.

Die Suche nach verlassenen Orten ist für Thomas Windisch eine Sucht geworden. Mehr als 600 Plätze quer durch Europa hat der Fotograf besucht und mit der Kamera dokumentiert. Darunter etwa ein ehemaliges Thermalhotel in Österreich, eine frühere TBC-Heilanstalt in Italien und ein stillgelegtes Bergwerk in Großbritannien. „Wenn ich in ein leeres Haus hineingehe, weiß ich vorher nie, was mich drinnen erwartet. Es ist immer eine Überraschung“, sagt Windisch.

Derzeit ist der Fotograf in der Obersteiermark unterwegs und stößt dort immer wieder auf Abenteuer – zumindest im eigenen Kopf: „Gestern war ich in einem verfallenen Haus. Am Tisch lag ein Brief mit einem Stempel aus dem Jahr 1993, daneben eine Broschüre mit dem Titel ‘Auswandern nach Paraguay’“.

Aus den Streifzügen durch halb verfallene Häuser ist nun ein Buch entstanden, das nun unter dem Titel „Wer hat hier gelebt?“ im Brandstätter Verlag erschienen ist. Es muss aber keine Reise quer durch den Kontinent sein, um der Magie von leeren Gebäuden und den Geschichten der Menschen darin nachzuspüren: Auch in Österreich befinden sich eine Reihe an verlassenen Orten. Wir haben die sieben interessantesten ausgewählt.

1. Postsparkasse von Otto Wagner

Einer dieser faszinierenden Orte ist die ehemalige Postsparkasse, die von Otto Wagner entworfen wurde. Derzeit ist das Gebäude offen für Besichtigungen, weil die Bankangestellten der Bawag im Frühjahr 2018 auszogen und mit dem Umbau erst im neuen Jahr begonnen wird. Und Besuchern tut sich ein wahrer Schatz auf: Die acht Gouverneursräume, sind besonders wertvoll. Die Holzvertäfelungen wurden aus seltenen Hölzern geschnitzt. Lampen, Tische, Sessel und sogar die Schirmständer stammen aus Otto Wagners Feder persönlich. „Die Räume stehen als Ganzes samt dem Mobilar unter Denkmalschutz“, sagt Friedrich Dahm vom Bundesdenkmalamt. „Verkauft werden können die Gegenstände also nicht.“

Kurier/Juerg Christandl

Diese Woche gab der Eigentümer Signa-Gruppe bekannt, dass aus der Postsparkasse ein Standort für Wissenschaft, Kunst und Forschung wird. Mit 2020 übernimmt die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) die Liegenschaft im Baurecht und bringt vier Institutionen ins Haus: die Akademie der Wissenschaften, die Uni Linz, die Uni für angewandte Kunst und das Museum für angewandte Kunst (MAK). Erste Mieter sollen nach Adaptierungsarbeiten bereits im Herbst 2020 die Räumlichkeiten beziehen.

2. Bankhaus am Franz-Josefs-Bahnhof

Als der Immobilienentwickler 6B47 die riesengroße Liegenschaft mit der markanten Glasfassade 2018 übernommen hat, war fast alles so wie immer: Die Büros waren noch voll eingerichtet, in den Küchen stand Geschirr in den Regalen und in der Vorstandsetage thronten schwere Ledergarnituren. „Wir haben die Einrichtung zunächst an Vereine und gemeinnützige Organisationen verschenkt“, erzählt Barbara Horstmeier von 6B47.

Außerdem öffnete der Eigentümer kurzzeitig die Pforten für die Öffentlichkeit und bot vergangenen Herbst der Vienna Design Week in den Räumlichkeiten eine temporäre Festivalzentrale. „Das Gebäude war jahrzehntelang so etwas wie eine Trutzburg, wo man nur hinein durfte, wenn man hier arbeitete“, so Horstmeier. „Während der Vienna Design Week kamen viele Menschen, um mal einen Blick ins Innere des Hauses zu werfen.“

Kurier/Jeff Mangione

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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