Handel: Milliardenverluste und zwei ganz klare Gewinner des Lockdows

Wirtschaft

WU-Professor Schnedlitz: „Man hört, dass einige Händler mit den Hilfen ganz gut aus den Lockdowns ausgestiegen sind“

Die Nerven der Händler liegen blank, speziell in der Wiener Innenstadt. Das Motto laute „Rette sich, wer kann“, sagt Branchensprecher Rainer Trefelik.

Viele starten eilig Aktionen, um ihre Ware noch vor dem Lockdown loszuwerden. Die Wiener Innenstadt ist aus Sicht vieler Kaufleute schon ab morgen eine einzige Sperrzone. „Am Samstag (Anmerkung: 20. November) sind in der Innenstadt 22 Demonstrationen angekündigt, da kommt ab Mittag vermutlich kein Auto mehr durch“, ärgert sich Trefelik, der selbst ein Geschäft in der Kärntner Straße hat.

Währenddessen rechnet der Handelsverband bereits vor, was der 20-tägige Lockdown die Branche kosten wird – österreichweit 2,7 Milliarden Euro Umsatz. Als Sieger werden einmal mehr der Lebensmitteleinzelhandel und die Drogeriemärkte aus dem Lockdown kommen, ist für alle Branchenbeobachter klar. Trefelik: „Wir gehen in die Sortimentsabgrenzung 4.0.“ Heißt: Zum vierten Mal werden die Supermärkte Spielwaren oder Kaffeemaschinen verkaufen, während die Fachhändler das „Geschlossen“-Schild an ihre Tür hängen müssen. Trefelik: „Und das zum zweiten Mal im Weihnachtsgeschäft, das in vielen Betrieben über das Jahresergebnis entscheidet.“ So machen etwa Spielwarenhändler und Juweliere einen Großteil ihres Geschäfts im Jahresfinish.

„Jammern ist der Kaufmannsgruß“

Konsumenten werden sich nun daran gewöhnen, nicht im Fachhandel zu kaufen, meint auch Peter Schnedlitz, Handelsexperte der Wirtschaftsuniversität Wien. Die kolportierten Verluste in der Branche müsse man aber differenziert betrachten, hier werde wohl auch gern hochgerechnet. „Jammern ist bekanntlich der Kaufmannsgruß“, sagt Schnedlitz. Nachsatz: „Man hört allerdings auch, dass einige Händler mit den Hilfen ganz gut aus den Lockdowns ausgestiegen sind.“

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Überhaupt müsse man die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts (definiert als der Mehrumsatz, der im Dezember im Vergleich zu den anderen Monaten gemacht wird) relativieren. Dieses werde seit Jahren mit 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro beziffert. „Verglichen mit rund 10 Milliarden Umsatz, die Rewe oder Spar machen, ist das ein Klacks“, findet der WU-Professor.

Fisch und Fleisch

Für Großhändler, die Gastronomie und Hotellerie beliefern, ist der Lockdown dennoch eine mittlere Katastrophe. Auch, weil viele Lebensmittel eine relativ kurze Mindesthaltbarkeitsdauer haben. Wegen der Kurzfristigkeit der Schließungen sei es unmöglich gewesen, warenseitig rechtzeitig zu reagieren, sagte Transgourmet-Österreich-Geschäftsführer Thomas Panholzer und kündigte am Freitag an, dass alle 13 Standorte in Österreich nun für alle offen stehen. Transgourmet würde damit auch einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln leisten.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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