Hype um Gamestop-Aktie lebt wieder auf

Wirtschaft

US-Finanzrebell Keith Gill meldet sich zurück und sorgte zunächst wieder für ein Kursfeuerwerk. Kurze Zeit später war Ernüchterung angesagt.

Vor drei Jahren bescherte Keith Gill jenen Hedgefonds, die auf Kursverluste der Aktie der Videospiel-Ladenkette Gamestop gewettet hatten, Milliardenverluste. Vor Kurzem hat sich der Finanzrebell, der in Online-Netzwerken als „Roaring Kitty“ oder „DeepFucking Value“ bekannt ist, zurückgemeldet. Der Hype um die Papiere der US-Kette, die in Zeiten von Online-Gaming wie ein Anachronismus wirkt, ist seither wieder in vollem Gang. Seit Gill Mitte Mai ein kryptisches Posting auf dem Kurznachrichtendienst X absetzte, stieg der Kurs der Papiere um mehrere Hundert Prozent. Die Ankündigung eines Live-Streams sorgte allein im vorbörslichen Handel am Freitag für ein Kursplus um zeitweise 85 Prozent.

Doch die Enttäuschung folgte auf dem Fuße. Denn das Unternehmen gab eine mögliche Kapitalerhöhung und einen Rückgang beim Quartalsumsatz bekannt. Im Livestream sagte Gill dann, er habe Vertrauen in GameStops Konzernchef, den Milliardär Ryan Cohen. „Ich glaube diesem Kerl“, sagte der YouTuber. „Es ist eine Art Gefühl.“ Unterm Strich schmolz der Kursgewinn am Freitag auf 12 Prozent ein.

Leerverkäufer litten

Der Investor Gill, der heute, Samstag, seinen 38. Geburtstag feiert, hatte der Finanzwelt 2021 das Fürchten gelehrt, als er Kleinanleger in Online-Foren zum Kauf von Gamestop-Aktien ermunterte. Hedgefonds, die auf den Kursverfall der Papiere der Ladenkette gewettet hatten, mussten dabei kräftig Federn lassen. Denn sie mussten sich im Zuge eines „Short Squeeze“ zu hohen Kursen mit den Papieren eindecken, um ihre Verluste aus den Leerverkäufen zu begrenzen. Damit trieben sie den Kurs der vermeintlichen Penny-Stocks weiter in die Höhe.

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Gill, der u. a. im Online-Forum Reddit für die Gamestop-Aktien die Werbetrommel rührte, ging aus der David-gegen-Goliath-Geschichte bei der über soziale Netzwerke organisierte Kleinanleger Investoren von der Wall Street in die Schranken wiesen, auch finanziell als Sieger hervor. Börsenmanipulationen konnte die US-Börsenaufsicht nicht feststellen.

Kinofilm „Dumb Money“

Gill zog sich danach aus der Öffentlichkeit zurück. Auch als seine Geschichte 2023 mit dem Film „Dumb Money“ („Schnelles Geld“) in die Kinos kam, meldete er sich nicht zu Wort.

Nach dem Muster der Gamestop-Papiere legten infolge auch weitere in Online-Foren befeuerte sogenannte Meme-Aktien wahnwitzige Kurssprünge hin. Jene des US-Kinobetreibers AMC zählten ebenso dazu wie jene des auf Software umgesattelten früheren Handyherstellers Blackberry. Nach dem Hype verloren viele Meme-Stocks wieder stark an Wert.

Auch Gamestop notierte, bevor sich Gill zurückmeldete, lediglich bei rund 10 Dollar und damit meilenweit entfernt von ihrem Allzeithoch, das 2021 bei 483 Dollar lag. Im vorbörslichen Handel am Freitag stiegen sie zeitweise auf über 50 Dollar.

Gill profitiert selbst

Warum Gill plötzlich wieder aktiv wurde, ist unklar. Er selbst machte dazu bisher keine Angaben. Der Investor soll neben 5 Mio. Aktien der Ladenkette aber auch 120.000 Optionsscheine besitzen, die er bis 21. Juni um 20 Dollar pro Aktie einlösen kann. Er dürfte also vom neuerlichen Anstieg der Papiere kräftig profitieren. Bisher soll Gill, wenn überhaupt, nur wenige Optionen eingelöst haben.

Zu den Leidtragenden des wiederentflammten Gamestop-Hypes dürften erneut die Leerverkäufer werden. Laut Reuters sollen mehr als eine Mrd. Dollar an Wetten auf sinkende Kurse offen sein.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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