Immobilien-Skandal VMF: 40 Millionen Euro „treuwidrig“ verschoben?

Wirtschaft

Die Insolvenzverwalter versuchen, die dubiosen Zahlungsflüsse nachzuvollziehen. Im Zentrum stehen mutmaßlich „treuwidrige Auszahlungen“

Der Zusammenbruch der Immobilien-Gruppe VMF/VKM zieht weite Kreise. Knapp 40 Tochtergesellschaften sind betroffen. Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sind Ermittlungen wegen des Verdachts von millionenschweren Malversationen anhängig. Mutmaßlich Geschädigte sollen Banken und Tausende Anleger sein.

„Im Zentrum all dieser Insolvenzverfahren steht letztlich der Vorwurf, dass aus diversen Immobilien-Projektgesellschaften treuwidrig Auszahlungen vorgenommen worden sind“, schreibt Clemens Richter, der renommierte Masseverwalter der VMF Capital Invest GmbH, in seinem ersten Bericht. „Es sollen rund 40 Millionen Euro an die Schuldnerin, die als Holdinggesellschaft innerhalb der Unternehmensgruppe Voithofer fungiert hat, geflossen sein. Im Wege eines faktischen „Cash Poolings sollen dann wiederum Rückflüsse an die diversen Projektgesellschaften erfolgt sein.“

Zahlungsflüsse

Der involvierte Treuhänder, ein Wiener Rechtsanwalt, musste vor vier Monaten seine Tätigkeit ruhend stellen und für ihn wurde ein Kammerkommissär bestellt.

„Diese Aufarbeitung der Zahlungsflüsse ist jetzt im Gange, ich muss im Wesentlichen schauen, was ist mit dem Geld passiert“, sagt Masseverwalter Richter zum KURIER. In jenen Projektgesellschaften, die in Insolvenz geschlittert sind, sei das Geld weg. Wie berichtet sind auch Tausende Crowdinvestoren von den VMF/VKM-Pleiten betroffen. Laut dem Bericht von Richter haben 5.112 Anleger über die Plattform Rockets 6,6 Millionen Euro investiert, bei der Plattform Rendity sollen es mehrere Tausend Anleger mit einem Investmentvolumen von sechs Millionen Euro sein.

Dem KURIER liegen Unterlagen vor, die aufzeigen, wie am Beispiel beim „Projekt Schopenhauerstraße“ vorgegangen wurde.

Weiterverkauf

Im Jänner 2018 kaufte eine Gesellschaft um 2,55 Millionen Euro ein (abbruchreifes) Gebäude in Wien. Im März 2022 erfolgte dann der Weiterverkauf der Liegenschaft samt Baubewilligung an eine VMF-Projektgesellschaft um 5,9 Millionen Euro. Mit Kaufvertrag vom 22. März 2023 kam es zum Weiterverkauf an die VMF Liegenschaft Besitz GmbH. Die Verkäuferin sollte 26 Wohnungen und 13 Stellplätze in einer Tiefgarage errichten und am Ende 16,68 Millionen Euro brutto erhalten. Die Bezahlung sollte Zug um Zug nach Baufortschritt erfolgen. Der Bau sollte eigentlich im zweiten Quartal 2023 begonnen und am spätestens am 31. Jänner 2025 übergeben werden.

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Laut einem Bericht von Susi Pariasek, der Insolvenzverwalterin der VMF Liegenschaft Besitz GmbH, soll fünf Tage nach Abschluss des Kaufvertrages „vereinbart worden sein, dass die Auszahlung des Kaufpreises abweichend von der ursprünglichen Vereinbarung vorzunehmen ist“.

„Dem Treuhänder wurde unwiderruflich aufgetragen, (sofort) das geldlastenfreie Eigentumsrecht der VMF Liegenschaft Besitz GmbH einzutragen und einen Teilbetrag von 6,9 Millionen Euro an die Verkäuferin auszuzahlen“, heißt es im Bericht der Insolvenzverwalterin. Der Betrag stammte aus einem sieben Millionen Euro schweren Darlehen einer Bausparkasse.

Ins Wanken geraten

Das Eigentumsrecht der VMF Liegenschaft Besitz GmbH wurde nicht eingetragen. „Erst als die VMF-Gruppe im heurigen Frühjahr in Wanken geriet, wurde das Eigentumsrecht vorgemerkt“, sagt Pariasek. Doch die Bausparkasse ist bei dem Pfandrecht nur als Zweite gereiht, weil eine Bank bereits 2022 ein Pfandrecht in Höhe von 5,54 Millionen Euro eingetragen hat. In weiterer Folge würde die Bausparkasse erst Geld sehen, wenn der Verkaufspreis der Liegenschaft höher als das Pfandrecht der Bank ist. Es sei nicht davon auszugehen, dass ein solcher Kaufpreis erzielt werden kann, so die Insolvenzverwalterin. Im April 2024 schätzte ein …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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