Keramik Trend: Die Neue Lust am alten Handwerk

Wirtschaft

Ob klassisches Gmundner Geschirr, hippe Teller aus Portugal oder lässige, feministische Kunst aus Wien: Handgefertigtes aus Keramik liegen derzeit voll im Trend.

Kaum jemand in Österreich hat nicht wenigstens als Kind aus einem Gmundner Häferl seinen Kakao getrunken. Oder die Sonntags-Suppe aus dem Grüngeflammten gegessen. Nicht nur aufgrund der zahlreichen Kindheitserinnerungen, die damit verbunden sind, vermittelt das ikonische Geschirr ein heimeliges Gefühl. Handgefertigt seit 1492. Drei Worte, die gerade in Zeiten der Übersättigung Wert vermitteln: „Ein einzigartiges Stück, nur für dich gemacht.“ Dabei kennt man das Gmundner Geschirr auf der ganzen Welt. Wie der Traditionsbetrieb den Bogen zwischen Masse und Klasse spannt, hat sich der KURIER vor Ort angesehen.

Christian Demetrescu

Neben dem legendären Gmundner Grüngeflammten gibt es auch Gelb, Rot, Blau und Weiß zur Auswahl

Besuch in Gmunden: Die Manufaktur der Gmundner Keramik am Traunsee befindet sich am Ortseingang, eine enorme, geflammte Kaffeetasse vor dem Eingang lässt keinen Zweifel zu. Die Führung durch die Produktionsstätte beginnt mit der Masseaufbereitung: Eine Mischung aus den natürlichen Grundstoffen Feldspat, Quarz und Kaolin wird nach Geheimrezeptur in riesigen Fässern gerührt. Später wird die fertige Masse in Gipsformen gegossen, gedreht oder gepresst, je nach Art des gewünschten Gefäßes. Nach dem ersten Brennvorgang, im beeindruckend großen Brennofen, sind die Gefäße noch sehr filigran. Jedes Einzelne wird jetzt wieder in die Hand genommen, verfeinert und verbessert – oder es kommt zurück in seine ursprüngliche Form. Denn, wieder mit Wasser in Verbindung gebracht, wird die einmal gebrannte Keramik wieder flüssig. Abfälle gibt es hier daher nicht. So nachhaltig läuft die gesamte Produktion, wie uns Eva Böhnisch, Marketingleiterin des Unternehmens, erklärt: „Zerbrochene Rohware wird zu hundert Prozent wiederverwendet und recycelt. So erhalten alle Tonabschnitte eine neue Chance und werden dem Herstellungsprozess rückgeführt.“

  Ölpreise gaben weiter nach

Niza

Der beeindruckend große Brennofen in Gmunden 

Wenn in der Retusche die Form der Keramik aber vollendet wurde, wird glasiert. Die weiße Glasur besteht aus den Hauptbestandteilen Silicium und Magnesium. Je nach Form werden die Stücke getunkt, besprüht oder per Hand getaucht. Danach geht es in die Malerei. Auf der Rückseite jeder Keramik erzählt ein Stempel, welche Malerin hier am Werk war. Während etwa die Streublumen gemalt und die Hirsche gestempelt werden, wird der Großteil der Gmundner Keramik geflammt. Flammen ist eine weltweit einzigartige Spritztechnik, die seit über 300 Jahren in Gmunden ausgeübt wird. Wurde dies damals noch mit einem Horn gemacht, so fließt die Farbe heute konstant aus einem Schlauch, den die Profis in Gmunden in geschickten Bewegungen über Teller und Tassen führen.

Karin Lohberger

Das Flammen will gelernt sein

Sehr beeindruckend dabei zuzusehen und für Laien eine echte Herausforderung, wie sich zeigt. Dann schon lieber mit dem Pinsel malen, da kann nicht so viel schief gehen. Fast vierzig Malerinnen und Maler sind in Gmunden am Werk. Circa 60 Arbeitsschritte durchläuft jedes Keramikteil in Gmunden. Die vielen Hände, die hier mit Liebe zum Handwerk agieren, besitzen die nötige Routine, um täglich an die 5.000 Stück Keramik herzustellen. Jedes davon ein Unikat.

Niza

Für den ersten Versuch gar nicht so schlecht: Das Selbstgeflammte Stück von Redakteurin Nicole Zametter

Von Hand gemacht

„Wenn man merkt, da hat sich wer Zeit …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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