Lufthansa baut ihre Pilotenausbildung um

Wirtschaft

AUA-Mutterkonzern will Ausbildung effizienter aufstellen. Keine
Jobperspektiven in Coronakrise.

Unter dem Kostendruck der Corona-Krise baut die deutsche Lufthansa die Pilotenausbildung um. Der Konzern schließt die praktische Ausbildung an der traditionsreichen Verkehrsfliegerschule Bremen. Im künftigen Ausbildungsverbund sollen am Standort nur noch die theoretischen Inhalte gelehrt werden. Die Trainingsrunden im Flugzeug werden vom Bremer Flughafen nach Rostock verlagert, teilte die Konzern- Ausbildungssparte Lufthansa Aviation Training (LAT) am Mittwoch mit.

Die 1956 gegründete Verkehrsfliegerschule Bremen ist nicht irgendein Standort, sondern für die meisten der rund 5.000 Lufthansa-Piloten mit starken Emotionen verbunden. Hier haben sie als junge Flugschüler ihre ersten Erfahrungen gemacht, in eng verbundenen Jahrgängen für die anspruchsvollen Prüfungen gebüffelt und diese letztlich bestanden. Bremen gilt als Ausgangspunkt des starken Korps-Geistes der Pilotenschaft, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder in Konflikten mit dem Management gezeigt hat.

„Eine Neuausrichtung der Lufthansa Group Pilotenausbildung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Ausbildung neuer Piloten bei den Austrian Airlines (AUA), da wir unsere Schulungen bei Lufthansa Aviation Training durchführen“, hieß es aus der AUA in Wien zur APA. Das genaue Maß der Auswirkungen werde zum jetzigen Zeitpunkt noch evaluiert. Aktuell seien jedoch keine Piloten-Neuaufnahmen bei der AUA geplant, somit sei das Datum für die Wiederaufnahme der Ausbildung neuer Piloten noch ungewiss.

Auf die rund 100 Flugschüler, die sich bei der AUA aktuell noch in Ausbildung befinden, habe die Änderung jedoch keine Folgen. Diese Flugschüler seien entweder bereits in der finalen Ausbildungsphase beim Lufthansa Aviation Training oder würden bei anderen Flugschulen weiter ausgebildet.

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Den rund 130 Bremer Mitarbeitern wurde Mittwoch früh in einer Betriebsversammlung eröffnet, dass für sie ein Sozialplan verhandelt werde. „Es ist ein wirklich dunkler Tag für die Schule, die Piloten und die Mitarbeiter“, sagt danach der Fluglehrer und Betriebsrats-Vize Philip Walker. Nach diesen Ankündigungen müssten nicht nur die Fluglehrer um ihre Jobs bangen. „Auch die Theorielehrer und Angestellten in der Verwaltung können sich keineswegs sicher sein, dass ihre Kompetenzen in Zukunft noch gewollt sind.“

„Müssen alles auf den Prüfstand stellen“

„In der größten Krise der weltweiten Luftfahrt müssen wir im Lufthansa-Konzern alles auf den Prüfstand stellen – so auch unser Jahrzehnte altes Ausbildungskonzept für unsere Pilotinnen und Piloten“, erklärte Lufthansa-COO Detlef Kayser am Mittwoch. Mit dem neuen Campus-Modell werde die Ausbildung modernisiert und effizienter gestaltet.

Die Pilotenvereinigung Cockpit ist erzürnt. „Das bedeutet einen Kahlschlag und einen Rückschritt in der Ausbildungsqualität der Pilotenausbildung“, sagte Walker. Die Schließung des Flugausbildungsbetriebs in Bremen sei für Mitte 2022 geplant. Die Lufthansa versuche Kosten zu senken, indem etwa nur noch in Propellerflugzeugen in Rostock praktisch geschult werde statt in Jets. Unter dem Strich sei das keine Einsparung, weil die Airlines zum Berufseinstieg der Absolventen dann für Nachschulungen aufkommen müssten. Die Lufthansa bestreitet das.

Es sei außerdem zu befürchten, dass die Lufthansa sich künftig nicht mehr an den Ausbildungskosten beteiligen wolle. Bisher übernimmt die Airline demnach zirka 50.000 der 130.000 Euro einer Pilotenausbildung. „Die Lufthansa strebt ein Selbstzahlermodell an“, sagte Walker. Das Unternehmen äußerte sich dazu nicht.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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