Mit Atomkraft in eine Strahlende Zukunft

Wirtschaft

In der EU wird diskutiert, ob Kernkraft als nachhaltig gelten und gefördert werden soll.

Europa hat sich für seinen „Green Deal“ ehrgeizige Ziele gesetzt. Mit welchen Technologien diese erreicht werden sollen, ist aber umstritten. Die Entscheidung, ob Gas und Kernkraft als „nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten“ gelten sollen, wurde zuletzt wieder vertagt. Es sollen noch weitere Expertenmeinungen eingeholt werden.

Deutschland, das nach der Katastrophe von Fukushima den Atomausstieg beschlossen hat, ist gegen die Aufnahme von Kernkraft, aber für die Berücksichtigung von Gas als Übergangstechnologie.

Österreich ist gegen beides. Fossile Energien und Atomkraft dürfte kein „grünes Mascherl“ bekommen, erklärte Umweltministerin Leonore Gewessler. Sie will einen Schritt weiter gehen und wirbt für eine Reform des EURATOM-Vertrags. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zukunft der Kernkraft in Europa.

Was ist der EURATOM-Vertrag?

Die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) wurde 1957 gegründet. Die Übereinkunft ist einer der vertragsrechtlichen Grundpfeiler der heutigen Europäischen Union. Sie sollte die sichere Nutzung der Kernenergie in Europa vorantreiben. Für Gewessler ist der Vertrag ein Relikt „aus einer anderen Zeit“.

Was will Ministerin Gewessler erreichen?

Gewessler sieht in den Bestimmungen des Vertrags eine Bevorzugung der Kernkraft gegenüber anderen Technologien. Auf Basis eines Gutachtens der deutschen Anwältin Dörte Fouquet fordert sie strengere Sicherheitsauflagen und Haftungsregeln für die Betreiber von Atomkraftwerken. Das betrifft etwa Laufzeitverlängerungen und die Lagerung von Atommüll.

Außerdem will sie ein Ende der staatlichen Subventionen für Kernkraft. Der EURATOM-Vertrag ermögliche diese jedoch, und zwar sogar „an Förderrichtlinien vorbei“.

Wie kann eine Reform umgesetzt werden?

Ein Reformprozess könnte mit einer einfachen Mehrheit im EU-Rat angestoßen werden. Gewessler hofft auf eine Allianz von Mitgliedsstaaten, die keine Kernkraft nutzen oder den Ausstieg bereits beschlossen haben. Mögliche Verbündete sieht die Ministerin neben Deutschland in Belgien und Luxemburg. Das EU-Parlament hat in dieser wichtigen Frage keine Entscheidungsbefugnisse.

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Wer ist in der EU für die Nutzung von Atomkraft?

Frankreich und sechs osteuropäische Länder (Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Polen und Rumänien) wollen durchsetzen, dass Atomkraft als „nachhaltige Investitionen“ definiert und entsprechend förderbar wird. Frankreich deckt knapp mehr als 70 Prozent seines Strombedarfs mit Kernkraft und ist damit weltweit Spitzenreiter.

Wie wichtig ist Atomstrom in der EU?

EU-weit produzieren 110 Reaktoren gut ein Viertel des verfügbaren Stroms. Die Technologie wird in 13 der 27 Mitgliedsstaaten eingesetzt. Am höchsten ist der Anteil am Strommix nach Frankreich mit jeweils etwa 50 Prozent in Ungarn, Belgien und der Slowakei. Weltweit hat Strom aus Kernenergie einen Anteil von 11 Prozent.

Was bedeutet das für den Erneuerbaren-Ausbau?

Grundsätzlich ist in der EU jedes Land selbst für seinen Energiemix und die Erreichung der Klimaziele verantwortlich. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 27 Terawattstunden (TWh) erneuerbare Energien zuzubauen. Das gilt als ambitioniert, die Ausgangsposition ist aber vergleichsweise günstig.

Grafik

Atomkraftwerke nahe der österreichischen Grenze.

Da Strom international gehandelt wird, bedeuten Subventionen für Atomkraft einen Wettbewerbsnachteil für erneuerbare Energien. Außerdem hat Österreich eine Reihe von Atomkraftwerken in der direkten Nachbarschaft (siehe Grafik).

Inwiefern ist Österreich dann davon betroffen?

Das Stromnetz ist europaweit verbunden. Das ermöglicht den Ausgleich von Über- und Unterkapazitäten, der in Anbetracht zunehmend volatiler Erzeugung immer wichtiger wird. Es gibt also nationalstaatlich definierte Ausbauziele, aber keine nationalstaatlich funktionierenden Lösungen.

Regionen können sich zwar gegenseitig aushelfen, die Kapazitäten …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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