Österreichs Titel: Vom Meister kommt man nicht einfach zum Master

Wirtschaft

Wie steht es um die wichtigste Qualifikationsform für handwerkliche Berufe? Ein Meister, ein Minister und eine Expertin der Wirtschafts- kammer geben Antworten.

2022 absolvierten 1.945 Personen die Meisterprüfung und damit Österreichs relevantesten Nachweis für die selbstständige gewerbliche Berufsausübung. Sie haben damit nicht nur das Recht, einen Betrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden, sondern auch das Qualifikationsniveau 6 und damit Bachelor-Niveau erreicht.

Doch: Was bringt ihnen das?

„Meine Meisterprüfung habe ich 2016 absolviert, die Unternehmerprüfung zwei Jahre später. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon den Weltmeistertitel errungen hatte, war meine größte Motivation der unternehmerische Erfolg“, erinnert sich Friseurmeister Peter Schaider an seinen Weg zum Meister.

Und der unternehmerische Erfolg kam:

Heute ist Schaider im Management des familieneigenen Unternehmens mit 48 Standorten, 450 Mitarbeitern und einer halben Million Kunden. Einfach war die Prüfung nicht. Schaider: „Wir waren 15 Teilnehmer und nur drei haben es beim ersten Anlauf geschafft. Dies hat mir gezeigt, dass der Meistertitel eine klare Aussage über Professionalität und Fachwissen ist und kein sogenannter Titel wie Promi- oder Starfriseur, wo es wichtiger ist, wer auf dem Friseurstuhl sitzt, als die Qualität und das Können des Profis dahinter.“

Antreten darf man zur Meisterprüfung in Österreich erst nach dem 18. Lebensjahr. Die Prüfung besteht aus drei inhaltlich-fachlichen Modulen sowie der Ausbilder- und der Unternehmerprüfung. Mit einem bis dreieinhalb Jahren Zeitaufwand und Kosten zwischen 3.000 und 5.000 Euro sollte man rechnen. Dazu kommen freiwillige Vorbereitungskurse, die etwa vom WIFI oder bfi angeboten werden.

Peter Schaider

Peter Schaider, Intercoiffeur Strassl und Schaider

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Warum sollte man den Meister machen?

Und was motiviert junge Menschen, sich dieser zeitlichen und finanziellen Herausforderung zu stellen?

„Es eröffnen sich dadurch weitere Möglichkeiten in der beruflichen Karriere: Einerseits wirkt sich die Qualifikation auf das Einkommen aus, andererseits bietet die Meisterprüfung die Basis für eine selbstständige Tätigkeit und die Führung eines Unternehmens“, sagt dazu Bundesminister für Arbeit, Martin Kocher. Ein weiterer Grund ist das gesellschaftliche Ansehen.

Kocher: „Absolventinnen und Absolventen dürfen den Titel Meister oder Meisterin seit August 2020 vor dem Namen sowie auf offiziellen Dokumenten führen. Dadurch wird die hohe Qualifikation sichtbar gemacht.“ „Die Möglichkeit, den Titel in Dokumente eintragen zu lassen, hat spürbar zur Attraktivierung beigetragen“, sagt auch Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ.

Kurier/Jeff Mangione

Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit

Meister VS Uni

Doch obwohl der Meister dem Bachelor Niveau entspricht – auf die Uni geht es damit nicht so einfach: „Der Meistertitel und ein Bachelor sind gleichwertig, aber keine gleichartigen Abschlüsse“, erklärt Scheichelbauer-Schuster. Daher leitet sich aus dem Meister-Titel keine direkte Studienberechtigung ab. Dafür sind Matura, Berufsreife- oder Studienberechtigungsprüfung nötig.

Doch der Meistertitel, so Scheichelbauer-Schuster, genieße in Österreich ohnehin seit jeher hohes Ansehen: „Wie wir aus Umfragen wissen, attestieren 95 Prozent den Meisterbetrieben eine besonders hohe Qualität“.

WKÖ

Renate Scheichelbauer-Schuster, WKÖ

Es gibt jedoch auch Verbesserungsmöglichkeiten

Denn die höhere berufliche Bildung, so die Obfrau, habe in Österreich keine etablierte Tradition:

„Das ist speziell in der Schweiz ganz anders, auch Deutschland ist uns da voraus. Deshalb waren wir so sehr dahinter, dass die Höhere Berufliche Bildung in Österreich per Gesetz etabliert wird – das wird 2023 ein ganz großer bildungspolitischer Meilenstein sein.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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