Peinliches Theater um Frauenquote im OMV-Betriebsrat

Wirtschaft

Belegschaftsvertretung findet keine Quotenfrau. Borealis-Chef soll in Konzern-Vorstand. Anzeige gegen Seele zurückgelegt

Der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern, eines der größten börsenotierten Unternehmen dieses Landes, hat ein veritables Frauen-Problem. Genauer gesagt, die Belegschaftsvertretung. Das Unternehmen hat mehr als 20.000 Mitarbeiter, aber der Betriebsrat ist nicht in der Lage, aus seinen Kreisen eine Frau in den Aufsichtsrat der staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG zu entsenden.

Nicht nur in der OMV wird die Causa als ziemlich peinlich gesehen.

Laut dem ÖBAG-Gesetz haben die Arbeitnehmer-Vertreter der drei größten Beteiligungsunternehmen (OMV, Telekom Austria, Post) Anspruch auf einen Sitz im Aufsichtsrat der Staatsholding. Diese Mandate sind sehr begehrt. Die ÖBAG hält 31,5 Prozent an der OMV. Wer im Aufsichtsrat eines maßgeblichen Miteigentümers sitzt, hat natürlich einen Informationsvorsprung.

Mit Christine Asperger hatte die OMV erstmals eine Frau an der Spitze ihres Betriebsrats. Nach heftigen internen Querelen sowie einer von OMV-Chef Rainer Seele angeordneten Untersuchung der Compliance-Abteilung verließ Asperger das Unternehmen und legte auch ihr Mandat bei der ÖBAG zurück.

ÖBAG-Aufsichtsratschef Helmut Kern erwartete, dass eine Frau nachfolgen werde. Da man in der ÖBAG genauso wie bei den Beteiligungsunternehmen „höchste Corporate Governance Standards“ anwende, gehe er davon aus, dass eine Frau nominiert werde, sagte Kern kürzlich. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Frauenquote für Unternehmen mit Bundesbeteiligung auf 40 Prozent erhöht wird.

Auf dem ÖBAG-Mandat von Asperger sitzt jetzt allerdings Herbert Lindner, Zentralbetriebsratschef Down Stream (Raffinerie). Ausgerechnet jener Mann, dem im Unternehmen immer wieder abschätzige Bemerkungen über Frauen nachgesagt werden. Außerdem wird ein freundschaftliches Du-Verhältnis zu Seele kolportiert. Lindner war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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Wie konnte es aber überhaupt soweit kommen?

Unter den einzelnen Belegschaftsvertretungen des Konzerns herrscht, ähnlich wie bei der Telekom, wo die Hackeln ebenfalls tief fliegen, nicht gerade ein freundschaftliches Klima. Lindner rief zuerst sich selbst zum Nachfolger von Asperger aus, meinte dann aber, dass sich der Konzernbetriebsrat aufgelöst habe. Was nicht ganz klar ist. Jedenfalls beanspruchte Lindner als Vorsitzender des größten Teilbetriebsrates den ÖBAG-Sitz.

Der ÖBAG, die dazu rechtliche Expertise einholte, wäre vermutlich lieber gewesen, den Posten vorläufig vakant zu lassen. Doch das verbietet das ÖBAG-Gesetz. Auch die ÖBAG wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Schriftliche Erklärung

Wie es derzeit aussieht, könnte doch noch eine Frau den Job bekommen – irgendwann einmal. Lindner hat eine schriftliche Erklärung abgegeben, den Posten nur solange zu behalten, bis sich der Konzernbetriebsrat neu konstituiert habe und eine Frau entsendet werde. Ein derartiges Commitment dürfte Seltenheitswert haben. Das absurde Theater wird noch andauern, die nächste Hauptversammlung der ÖBAG ist erst für Mai 2021 geplant. Man darf gespannt sein.

Konzern-Vorstand

Im Top-Management des Konzerns könnte es bald zu einer Veränderung kommen. Die Petrochemie-Gruppe Borealis, an der die OMV nun 75 Prozent hält, sollte unter Downstream-Vorstand Thomas Gangl angehängt werden.

REUTERS/LEONHARD FOEGER

Borealis-Chef Alfred Stern

Doch derzeit wird im Unternehmen überlegt, dass es sinnvoller wäre, Borealis-Chef Alfred Stern hinauf in den OMV-Vorstand zu holen. Borealis ist die Cash-Cow der OMV. Bedeutung und Größe des internationalen Kunststoff- und Düngemittelherstellers würden einen Vertreter im Konzernvorstand durchaus rechtfertigen. Die OMV steht vor der Transformation von einem nicht mehr zukunftsträchtigen Öl- und Gasunternehmen in Richtung Petrochemie.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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