„Pflanzenkrankheit kann das Ende der Billigbanane sein“

Wirtschaft

Wird der Pilz auf andere Anbauflächen übertragen, könnten die Preise empfindlich steigen.

Wenn es um Obst geht, steht die Banane in der Beliebtheitsskala ganz oben: Zwölf Kilo Bananen kauft der typische Österreicher im Jahr, der landesweite Konsum wird mit 99.000 Tonnen beziffert.

Zu den größten Bananenexporteuren der Welt gehört Kolumbien mit einem Exportvolumen von zuletzt 1,9 Millionen Tonnen. Doch nun breitet sich auf Plantagen im Nordosten des Landes die Krankheit Tropical Race 4 (TR4) aus. Betroffen ist eine Fläche von 175 Hektar, der Großteil davon wurde bereits gerodet. „Klingt viel, ist gemessen an der weltweiten Anbaufläche aber verschwindend wenig“, relativiert Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Auf den Nachschub in den Spar-Geschäften habe das derzeit keine Auswirkung.

Experten fürchten dennoch, dass sich TR4 auf andere Anbauländer ausbreitet. Plantagen-Arbeiter werden bereits vorsorglich nach der Arbeit desinfiziert, um den Pilz nicht über ihre Schuhsohlen oder im Profil der Autoreifen weiterzutragen.

„Wenn die Regierung in Kolumbien das Problem nicht in den Griff bekommt, kann das das Ende der Billigbanane bedeuten“, warnt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Die Preise könnten sich seiner Einschätzung nach verdoppeln. Zumindest für den Moment kommt auch von der Rewe-Gruppe Entwarnung: „Unsere Lieferanten SanLucar und Chiquita haben bisher keinen Engpass gemeldet“, sagt Konzernsprecher Paul Pöttschacher. Allerdings hat die Gruppe auch keine Bananen aus Kolumbien im Sortiment. Konventionelle Ware kommt aus Panama, Ecuador und Costa Rica, Bio-Bananen aus der Dominikanischen Republik.

Eierlegende Wollmilchsau

Dass es früher oder später zu einer Bananenkrankheit kommt, war aus Sicht von Kirner nur eine Frage der Zeit. Die Bananenindustrie ist stark industrialisiert, angebaut wird in Monokulturen, auf Plantagen, die oft hunderte Hektar groß sind. „Derzeit stammen 95 Prozent der weltweit angebauten Süßbananen von einer einzelnen Pflanze der Sorte ab“, sagt Kirner. Diese heißt Carvendish und ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau der Bananenindustrie: billig, ertragreich, an sich relativ resistent und obendrein gut im Geschmack. „Wird die Sorte durch den Pilz ausgerottet, hat die Industrie keine vergleichbare Alternative dazu in der Hinterhand“, erläutert Kirner. Von den weltweit etwa 1.000 Sorten würde sich keine zweite so gut für die Massenproduktion eignen wie diese.

Die Bananenkrankheit TR4 befällt übrigens nicht die Frucht, sondern die Wurzeln der Pflanzen, die in der Folge vertrocknen. Da sie im Boden 30 Jahre überleben kann, bedeutet sie das Ende des kommerziellen Bananen-Anbaus in den befallenen Gebieten.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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