Pichowetz: „Ich sehe die Lage nicht so rosig wie Politiker“

Wirtschaft

Der Intendant des Gloria-Theaters in Wien glaubt nicht, dass er im Juni wieder offen hat. Im Kulturbetrieb ortet er „Freunderlwirtschaft“.

Schauspieler und Theater-Chef Gerald Pichowetz nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Er ärgert sich über die Eitelkeiten in der Branche und kann nicht verstehen, woher die Politik ihren Optimismus nimmt. „Vielleicht aus der leeren Staatskasse.“ Wie Subventionen vergeben werden, sei undurchschaubar. „Bevor ich das verstehe, löse ich den Konflikt mit Nordkorea“, sagt Pichowetz und ortet Freunderlwirtschaft.

KURIER: So wie es ausschaut, dürfen Sie am 19. Mai wieder öffnen. Auf Ihrer Webseite stehen unter anderem die Covid-Maßnahmen für eine sichere Vorstellung, beginnend bei Fiebermessen beim Eingang. Ist das die Letztfassung?

Gerald Pichowetz: Bestimmt nicht, die Vorschriften ändern sich ja ständig. Man könnte mittlerweile einfach sagen: „pfeif drauf“.

Klingt nicht nach Aufbruchsstimmung …

Ich sehe die Lage nicht so rosig wie Politiker in den Abendnachrichten. Da redet Tourismusministerin Köstinger von einer Aufbruchsstimmung und im nächsten Beitrag geht’s um demnächst überlastete Intensivstationen. Ich weiß nicht, woher sie ihren Optimismus nimmt. Vielleicht aus den leeren Staatskassen. Anders kann ich mir die Öffnungen nicht erklären.

Wollen Sie überhaupt aufsperren?

Ich habe einen Wirtschaftsbetrieb mit 15 Mitarbeitern (Anm.: Schauspieler nicht mitgerechnet), der sich rechnen muss. Es ist Frühjahr, die Leute werden in die Gastgärten stürmen. Nicht in die Theater. Bestenfalls können Sommertheater funktionieren. Ich verstehe gar nicht, von welchem Licht am Ende des Tunnels die Politiker reden. Ich sehe keines.

Sie glauben, dass Sie in leeren Sälen spielen würden?

Die Leute brauchen einen negativen Test für den Friseur- und Kabarettbesuch. Dann sollen sie den Grünen Pass vorzeigen, mit Abstand und mit FFP2-Maske in der Vorstellung sitzen und beim Buffet bekommen sie nichts zu trinken. Wo bleibt denn da der Genuss? Wer soll sich das antun? Nur völlig Verblendete glauben, sie sperren die Tür auf und die Menschen strömen wieder herein. Dazu kommt: Wir leben von dem Geld, das den Leuten am Ende des Monats übrigbleibt. Das ist nicht mehr viel. Ich weiß noch nicht, ob ich für die paar Wochen aufsperre.

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Kurier / Gerhard Deutsch

Gerald Pichowetz: „Mir braucht kein G’scheiter erzählen, dass ich heuer im Sommer aufsperren soll“

Warum „für die paar Wochen“?

Weil die Theater im Juli und August traditionell geschlossen haben. Da wollen die Leute draußen sein. Und da braucht mir jetzt kein G’scheiter  kommen und erzählen, dass ich heuer aufsperren soll. Ich bin seit 20 Jahren im Theatergeschäft und habe es schon versucht. Funktioniert nicht. Das ist der Grund, warum die Theater im Sommer geschlossen sind.

Wie viel Auslastung brauchen Sie eigentlich, um profitabel zu spielen?

Zuletzt hatten wir eine Auslastung von 30 Prozent, davon kann ich nicht überleben. Wenn bei einem Stück 16 Schauspieler auf der Bühne sind, die eine Abendgage von 250 bis 300 Euro bekommen und keine 100 Leute im Saal sitzen, können Sie sich bei durchschnittlichen Eintrittspreisen von 35 Euro ausrechnen, dass sich das nicht ausgeht. Wir sind nämlich nicht zu 100 Prozent subventioniert. Deswegen verstehe ich gar nicht, worüber sich der Föttinger so aufregt.

Der Direktor vom Theater in der Josefstadt?

Ja, er ist künstlerischer – und nicht kaufmännischer – …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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