Porr baut für den Wiederaufbau der Wirtschaft

Wirtschaft

Konzernchef Karl-Heinz Strauss über Homeoffice, das Anzapfen von privatem Kapital und zusätzliche Kosten.

Einmal 15 Kilometer, einmal 13 Kilometer – innerhalb der vergangenen Wochen konnte der heimische Baukonzern Porr zwei Aufträge für Schnellstraßen-Abschnitte in Polen an Land ziehen. Porr-Chef Karl-Heinz Strauss, sonst ein Vielreisender, konnte nicht einmal beim Vertragsabschluss vor Ort sein. Wegen der Corona-Pandemie sind die Grenzen dicht. Im Vorjahr brockte das Polen-Geschäft der Porr noch rote Zahlen ein. Deutliche Kostensteigerungen bei Material und Beschäftigten vertrugen sich nicht mit Aufträgen, in die keine Preisgleitklauseln eingebaut waren. Diese Aufträge stammten noch aus der Zeit, als Porr das Polen-Geschäft von Bilfinger übernommen hatte.

„Im Vorjahr wurden alle alten Projekte abgearbeitet“, erzählt Strauss. Aus jetziger Sicht, so Corona es will, sollte Polen heuer gute Erträge abwerfen. Auch deshalb, weil Polen Gas gebe, um die Wirtschaft anzukurbeln. Unter anderem mit Bauprojekten, „was man an den laufenden Ausschreibungen sieht“. Die EU finanziert mit. Kurzarbeit gebe es in Polen keine.

Kurzarbeit

In Österreich hat die Porr am 19. März Kurzarbeit für mehr als 9.000 Mitarbeiter angemeldet. Auf etwa 80 Prozent der Baustellen ging da gar nichts mehr. Nach etwa zwei Wochen wurden die Baustellen wieder hochgefahren. „Umso mehr freut es uns, dass wir die Kurzarbeit mit 18. Juni beenden konnten“, sagt Strauss. Aus Solidarität mit den Kurzarbeitern verzichtet man auf den Führungsebenen bei Porr auf Teile des Einkommens – in allen Ländern, wo der Konzern vertreten ist. Wie hoch ist der Verzicht? „Durchaus beträchtlich“, so Strauss. Mehr will er nicht verraten. Verzicht üben auch die Aktionäre, die Dividende für 2019 wurde gestrichen. Zur Erinnerung: 53,7 Prozent gehören einem Konsortium aus Strauss und der Ortner-Gruppe, der Rest ist im Streubesitz.

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Zum Wiederaufbau der heimischen Wirtschaft gehört für den Porr-Chef wesentlich dazu, dass geplante Bauprojekte auch tatsächlich realisiert und nicht verschoben werden. Und dass Projekte vorgezogen werden. „Häuser ausbauen, mit Wärmedämmungen, Beschattungen und Solarzellen ausstatten“, das wäre jetzt sowohl im öffentlichen, wirtschaftlichen wie auch im privaten Bereich angesagt. Dafür könnte man durchaus auch privates Kapital anzapfen. Strauss schweben dafür Fonds mit Genussrechten oder Partizipationskapital vor.

Mehr Eigenkapital

Überhaupt sollte es neben den Soforthilfen des Staates auch möglich sein, mehr Eigenkapital zu bilden. „Nicht entnommene Gewinne, so es welche gibt, von der Steuer befreien“ sieht er dabei als eine Möglichkeit an. Vorzeitige Abschreibungen wären eine weitere Möglichkeit, um Projekte in Gang zu bringen. Auch das Vergaberecht sollte vereinfacht und beschleunigt werden.

„Die Corona-Krise hat uns einen Blick in die Zukunft gezeigt, mit Streaming, Online-Konferenzen und Digitalisierung“, ist Strauss überzeugt. Bei der Porr sei schon vieles digitalisiert, „Homeoffice hat extrem gut funktioniert“. Er selbst war nur wenige Tage im Homeoffice, „ein Kapitän gehört auf die Brücke“, sagt er. Einige Abteilungen seien gerade dabei, auch für die Zukunft neue Arbeitsrhythmen zu installieren, etwa eine Woche Büro, eine Woche Homeoffice. „Nur Homeoffice will ich nicht“, legt sich Strauss jetzt schon fest. Da fehle es am Zusammenhalt.

In einer Nebelwand

Wie sich das heurige Geschäftsjahr entwickeln wird, wagt Strauss nicht vorherzusagen. „Wir bewegen uns in einer Nebelwand.“ Unbestritten aber sei, dass es in Corona-Zeiten zusätzliche Kosten gebe. Wenn etwa, wie in …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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