Sportartikelhandel: Totalausfall an der Tal- und Bergstation

Wirtschaft

Nirgends sind Skiverkäufer und Verleiher mehr vom Tourismus abhängig als in Österreich. In ihren Lagern stapelt sich die Ware

Wenn es um die Auswirkungen der Pandemie geht, kann man Durchschnittswerte gleich kübeln, findet Ökonom Christian Helmenstein und nennt das Beispiel Flugverkehr. „Die Nachfrage nach Intercontinental-Flügen ist um 93 Prozent eingebrochen, das Geschäft mit Privatchartern boomt.“ Ein Durchschnittswert habe also ähnlich wenig Aussagekraft, wie einer zur Lage des Sportartikelhandels. Denn bei diesem gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle, das sich Helmensteins SportsEconAustria-Institut (kurz: Spea) nun genauer angeschaut hat. Konkret: Die Entwicklung der Sportartikelhändler in den Tourismusgemeinden.

Das Ergebnis: Normalerweise erwirtschaften diese insgesamt eine knappe Milliarde Euro (963 Mio.) im Jahr, zwei Drittel davon zwischen Weihnachten und Mitte März. Doch zuletzt hat ihnen der Lockdown einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und schon 2020 hinkten die Umsätze coronabedingt ein Drittel hinter dem Normalniveau hinterher.

Detail am Rande: Nur in den USA werden noch mehr Ski verkauft als in Österreich (normal knapp 445.000 Paar im Jahr). Hauptabnehmer sind Sportartikelhändler in Skigebieten, also letztlich Touristen. Doch die Gäste blieben heuer aus. In den Verleihstationen und Verkaufsräumen stehen 350.000 Paar nagelneue Ski.

Sportartikelhandelsobmann Michael Nendwich: „Die Winterware muss jetzt bezahlt werden – sowie die bereits bestellte Frühjahrsware.“ Es sei entscheidend, dass jetzt rasch staatliche Hilfen bei den Unternehmen ankommen. Nendwich verweist darauf, dass Sportartikelhändler in keinem anderen Land so stark vom Tourismus abhängig sind, wie in Österreich. „Die Geschäfte, die wir diesen Winter nicht gemacht haben, können wir nicht mehr aufholen.“ Den Händlern in Tourismusgemeinden seien statistisch gesehen 1,42 Millionen Euro entgangen – pro Arbeitstag im Jahr 2020.

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Die Folgen sind für die Skiindustrie fatal. Da die Lager ihrer Abnehmer voll und die Kassen leer sind, können sie sich schon jetzt auf weniger Bestellungen für den nächsten Winter einstellen. Zuletzt wurde in den Fabriken kurz gearbeitet, um keine weiteren Übermengen zu produzieren.

Zumindest Konsumenten können sich über die vollen Lager freuen. „Niemand verbrennt Ware, sie taucht sicher nächstes Jahr wieder irgendwo auf – mit einem Rabatt von 50 Prozent“, sagt Thorsten Schmitz, Chef von Intersport Österreich.

„Mär“ vom Rad-Boom

Dass die Händler nach dem boomenden Fahrradgeschäft im Frühjahr 2020 auf einem Geldpolster sitzen und über Jahre hinaus saniert sind, bezeichnet er als „Mär“: „Wir haben nicht mehr Fahrräder verkauft, sondern nur zeitlich komprimierter.“ Auch wenn die Nachfrage groß war, blieb der Nachschub irgendwann aus, sagt Schmitz. Um Fahrräder ins Geschäft zu bekommen, müsse man schließlich Vorlaufzeiten von sechs bis sieben Monaten einrechnen.

Seit der Wiederöffnung des Handels im Februar laufe das Geschäft je nach Region sehr unterschiedlich. Schmitz: „In den Städten machen die Händler rund ein Drittel weniger Umsatz, am Land machen sie maximal ein Drittel Umsatz. Und der ist nicht nachhaltig, weil er mit hohen Rabatten erkauft ist.“ Eine Einschätzung, die auch Sport-2000-Chef Holger Schwarting bestätigt.

Laut der Spea-Studie können vier von fünf Betrieben die Pandemie ohne externe Hilfen nicht überstehen. Sieben von zehn Unternehmern mussten demnach schon auf private Rücklagen zurückgreifen oder zusätzliche Kredite in Anspruch nehmen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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