Techkonzern Frequentis will 31 Millionen Euro zurück

Wirtschaft

Das Wiener Unternehmen verlor das Geld durch die Pleite der Commerzialbank. Vorstandschef Haslacher will nun gegen Verantwortliche klagen.

Der heimische Frequentis-Konzern notiert seit dem Vorjahr an der Börse. Investoren mussten vor Kurzem eine bittere Pille schlucken. Das Unternehmen hatte 31 Millionen Euro bei der burgenländischen Commerzialbank angelegt. Das Geld ist nun weg. Vorstandschef Norbert Haslacher erklärt im KURIER-Interview, wie es dazu kam und wie Frequentis durch die Corona-Krise kommt.

KURIER: Wieso legt man ausgerechnet in Mattersburg 31 Millionen Euro an?

Norbert Haslacher: Die 30,9 Millionen wurden dort über einen Zeitraum von 20 Jahren angelegt. Wir haben kein Risiko gesehen. Das Ausschlaggebende waren nicht die etwas höheren Zinsen. Die Bank wurde ausgewählt, weil sie ein konservatives Geschäftsmodell hatte. Das hat gut zu Frequentis gepasst. Es gab nie Auffälligkeiten und wir haben uns auf die uneingeschränkten Testate der Wirtschaftsprüfer verlassen. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass da etwas nicht stimmen könnte.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob das nicht ein zu großes Risiko ist, diese hohe Summe bei einer einzigen, kleineren Bank anzulegen.

Im Nachhinein ist man natürlich immer gescheiter, aber es hat den internen Vorgaben entsprochen. Die 30,9 Millionen waren das zulässige Maximum. Es hätte nicht mehr werden können. Und wir waren wegen der Erfahrung aus der Finanzkrise der Überzeugung, dass ein Split von Regional- und Großbanken eine gute Risikoverteilung ist. Es war knapp ein Drittel des Cashbestandes, wir haben die Summe inzwischen zu 100 Prozent abgeschrieben.

Wie bewerten Sie die Pleite als Betroffener?

Bilanzfälschung und große kriminelle Energie ist kein Privileg von Kleinbanken, sondern das kann bei jeder Bank passieren. Natürlich ist die Pleite eine Riesensauerei und ich hoffe, dass die Schuldigen entsprechend zur Verantwortung gezogen werden und wenn sie schuldig gesprochen werden, im Gefängnis landen.

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Versuchen Sie mit Klagen das Geld zurückzuholen?

Davon können Sie ausgehen, dass das bereits im Laufen ist.

Wird es personelle Konsequenzen geben?

Nein, der Finanzvorständin (Gründerin und Miteigentümerin Sylvia Bardach, Anm) kann man die wenigsten Vorwürfe machen und man darf nicht vergessen, sie ist ja auch Eigentümerin. 20 der 30,9 Millionen entfallen ja auf die Familie Bardach.

Kurier/Jeff Mangione

Firmengründer Hannes Bardach.

Gab es sonstige Folgen?

Wir haben externe Wirtschaftskanzleien und Universitäten unsere Prozesse überprüfen lassen, die Veranlagungspolitik, das Risikomanagement und es wurde bestätigt, dass alles in Ordnung ist. Dennoch haben wir die Obergrenzen für Einlagen reduziert und den Anteil an systemrelevanten Banken in Europa und den USA erhöht.

Was haben Ihre Investoren dazu gesagt?

Für die meisten ist das Thema inzwischen abgehakt. Sie haben zwar gesagt, schade, dass das Geld weg ist, aber gut, dass das laufende Geschäft nicht betroffen ist. Und wir haben noch immer 51 Millionen Cash.

Wie sehr beeinflusst die Pandemie das Geschäft von Frequentis?

Corona beschäftigt uns schon seit Februar, weil wir es nie als chinesisches Problem gesehen haben. Wir haben sehr früh begonnen, einen Krisenstab zu etablieren, dem ich auch selbst vorstehe. Wir hatten im Februar/März die Angst, dass die Aufträge zurückgehen könnten, aber das ist nicht eingetreten. Wir haben im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent mehr Aufträge gehabt.

Worauf war das zurückzuführen?

Unser Geschäftsmodell ist gut diversifiziert; wir sind nicht nur in 140 Ländern tätig, …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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