Tempo 100 spart auch Erdgas

Wirtschaft

Einsparpotenzial aber unklar. OMV macht keine Angaben zum Erdgasverbrauch in der Raffinerie Schwechat. Erdgas-Einsatz bei Entschwefelung und AdBlue-Erzeugung.

Ein Senkung des Tempolimits auf Autobahnen von 130 auf 100 Stundenkilometer würde auch Erdgas sparen, weil weniger Rohöl verarbeitet werden müsste. Dass sich nicht nur Sprit, sondern auch Erdgas einsparen lässt, gilt unter Fachleuten als unbestritten. Wie hoch das Sparpotenzial aber tatsächlich ist, ist unklar. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Die OMV wollte gegenüber der APA keine Angaben dazu machen, wie hoch der Erdgasverbrauch in der Raffinerie Schwechat ist.

Um aus Rohöl Produkte wie Diesel oder Benzin herzustellen, wird Energie benötigt. Die OMV betreibt in Schwechat laut früheren Angaben zwei Heizkraftwerke, die die gesamte petrochemische Anlage mit Strom versorgen. Verheizt werden dabei sowohl unbrauchbare Rückstände aus der Benzin- und Dieselherstellung als auch Erd-, Rest- und Mischgas.

Keine Angabe zum Verbrauch

Die OMV-Anlage in Schwechat nahe dem Wiener Flughafen ist die einzige Raffinerie Österreichs. Wie viel Erdgas dort jährlich verbraucht wird, wollte OMV-Sprecher Andreas Rinofner auf APA-Anfrage nicht sagen. Diese Zahl werde aus Wettbewerbsgründen nicht offengelegt. Relevante Mengen Erdgas verbrauchen Raffinerien bei der Entschwefelung. Das ist der zweite Produktionsschritt nach dem Destillieren. Um aus den Rohprodukten schwefelarme Treibstoffe zu machen, braucht es Wasserstoff, der derzeit fast ausschließlich aus Erdgas gewonnen wird.

Auch an einer zweiten Stelle im Straßenverkehr wird Erdgas benötigt, und zwar in Form von Harnstoff zur Abgasnachbehandlung bei Dieselmotoren. Als Treibstoffzusatz ist Harnstoff unter dem Markennamen „AdBlue“ bekannt. Harnstoff wird aus Ammoniak hergestellt und Ammoniak wiederum per Haber-Bosch-Verfahren aus Wasserstoff, der wiederum aus Erdgas gewonnen wird. Durch die hohen Gaspreise stieg der Preis für AdBlue von rund 10 bis 15 Euro pro 100 Liter auf deutlich über 100 Euro pro 100 Liter.

  In der Kontofalle

Auswirkung von reduziertem Tempolimit schwer messbar

Nach der Einschätzung von Günther Lichtblau, Mobilitäts- und Klimaexperte beim Umweltbundesamt, käme es bei einem reduzierten Tempolimit nur zu marginalen Einsparungen von Erdgas. Der Verbrauch des Abgasreinigungsmittels AdBlue variiere bei Pkw zwischen 100 und 130 km/h nämlich kaum. Eine größere Rolle spielt AdBlue beim Schwerverkehr. Aber auch hier würde es zu keinen Einsparungen kommen, weil für diesen bereits Tempo 80 gilt.

Die Auswirkung eines reduzierten Tempolimits auf den Gasverbrauch lasse sich nur schwer quantifizieren. Zieht man etwa die Raffinerie Schwechat heran, die im Umkreis von 300 Kilometern vor allem auch das nahe gelegene Ausland beliefert, hat ein gesetzliches Tempolimit Lichtblau zufolge wohl kaum Einfluss auf die Produktion. Für spürbare Auswirkungen sei der heimische Markt schlicht zu klein.

Ähnlich sieht das ein Experte der Österreichischen Energieagentur. Als weiteren Aspekt nennt er, dass große Teile des Autoverkehrs nicht auf Autobahnen stattfinden und sich der überwiegende Dieselverbrauch auf den Schwerverkehr zurückführen lässt, bei dem das Tempolimit eben nicht greifen würde. Zudem habe Österreich bereits große Mengen an Diesel importiert, nachdem die Raffinerie der OMV in Schwechat nach einem Unfall nur mit eingeschränkter Kapazität arbeitet. In dieser Hinsicht habe ein Tempolimit derzeit nur wenig Auswirkung auf die heimische Produktion.

Auch Elektroautos verbrauchen Erdgas

Einig sind sich die Experten aber darin, dass langsamer Fahren zu deutlich weniger CO2-Emissionen und Schadstoffen sowie zu einem niedrigeren Treibstoffverbrauch führt, da der Luftwiderstand nicht …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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