Umbau einer Badehütte: Schiffskutter wird zur Jacht

Wirtschaft

Eine Kleingartensiedlung am Donau-Altarm: Ab den 60ern Jahren sind hier kreative Badehütten entstanden. An die Tradition knüpfte Backraum Architektur an.

Das Kleingartenhaus am Donau-Altarm im niederösterreichischen Greifenstein stand lange leer. „Dann wurde eines Tages die Piratenfahne gehisst“, beschreibt der Architekt Andreas Etzelstorfer von Backraum Architektur. Jahre später hat die Badehütte einen neuen Besitzer bekommen. Weil der Platz im Bestandsbau sehr überschaubar war, sollte ein Zubau für die mehrköpfige Familie entstehen.

Christoph Panzer

Bereits die ersten Bewohner der Siedlung haben sich in den 1920er bis 1960er-Jahren bei der Gestaltung ihrer Badehütten aus Holz kreativ entfaltet – das verleiht der Siedlung ihren Charme. Die Badehütte aus den 1960er-Jahren, so der Architekt, „ besteht wie die meisten anderen Häuser in der Siedlung eigentlich nur aus einem Raum zum Umziehen mit kleiner Küche und Koje zum Schlafen.“

Alt triff auf Neu

Was nun ergänzt werden  sollte, war ein Badezimmer – doch dann sei das Projekt gewachsen, so Andreas Etzelstorfer. „Es sollte nicht Low Budget sein, so ist unser Konzept mit der Jacht entstanden, denn Alt trifft auf Neu, es findet keine Zäsur statt, sondern Bestand und Anbau werden aneinandergesteckt.“ Da die Bebauungsbestimmungen sehr streng sind, hat man nur begrenzten Raum zur Verfügung, erzählt der Architekt. Im konkreten Fall sind das 80 Quadratmeter Nutzfläche und 7,5 Meter Bauhöhe. Die Hochwassermarke liegt jedoch bei 1,60 Metern aus dem Jahr 2012– dies mache die Sache besonders anspruchsvoll. „Man muss alle Tricks anwenden, um die Räume unterzubringen. Wir haben das mit Terrassen und Balkonen gelöst, denn diese zählen nicht zur Bebauung “, erklärt der Architekt Andreas Etzelstorfer.

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Christoph Panzer

Entstanden ist ein lang gezogenes rundes Vordach, das „statisch herausfordernd war durch die 12 Meter langen Teile“, so der Planer. Die Hauptschwierigkeit bei der Umsetzung bestand in der Anlieferung, da die Zufahrtsmöglichkeiten sehr begrenzt waren. Der Bestandsbau mit der Piratenflagge hat die Architekten dazu inspiriert, den Zubau als Schiff zu konzipieren, aber moderner und zeitgemäß, nämlich als Yacht.

Christoph Panzer

Der Zubau erstrahlt in Weiß und fällt aufgrund der charakteristischen Form bereits von Weitem ins Auge. Die Bullaugen, das auskragende Dach, die Balkone und Terrassen, die Bootsdecks gleichen, und der Schornstein am Dach sorgen für maritime Atmosphäre. Denn sogar der Rauchfang hat die Form und Farbe eines Schiffsschornsteins – nun fehlt nur noch das Geräusch eines Nebelhorns.

Durch den großzügigen Anbau ist ausreichend Wohnraum für die Bewohner entstanden, in Summe 94 Quadratmeter mit viel Glas auf zwei Ebenen. „Wir haben das Maximum herausgeholt“, ist der Architekt überzeugt.

Der Zubau wurde aus Holz errichtet, in Holzriegel-Bauweise, ergänzt durch einen Stahlbetonsockel wegen der Hochwassergefahr. „Holz macht hier speziell Sinn, denn schlanke Wandaufbauten gehen nur aus Holz oder am besten aus Holz“, schildert Etzelstorfer. Auch so könne Raum gewonnen werden. „Denn jeder Zentimeter im Innenraum ist wertvoll.“

Die Architekten

Backraum Architektur mit Sitz in Wien und Greifenstein: Gründer und Geschäftsführer ist Andreas Etzelstorfer. Das  Büro in Wien, ursprünglich eine Bäckerei aus dem Jahr 1800, und das Büro in Greifenstein, Niederösterreich,  wurde vom Architekturbüro  weitgehend selbst gebaut. Das Architekturbüro hat sich auf das Bauen mit Holz spezialisiert, errichtet werden vorwiegend Einfamilienhäuser.  Backraum Architektur …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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