Warum Airlines Boeing treu bleiben werden

Wirtschaft

Rivale Airbus hat nach dem Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien laut Experten kaum Chancen, seinen Marktanteil auszubauen.

Fünf Tage nach dem Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien mit 157 Toten wird die Tragödie zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Problem für den US-Flugzeugbauer. Die Aktie schmierte seit dem Unglück mehr als elf Prozent ab. Denn das Modell darf bis auf Weiteres weltweit nicht mehr abheben.

Grafik

Die US-Luftfahrtbehörde FAA stellt sich auf eine längere Stilllegung der Maschinen ein. Behördenchef Daniel Elwell rechnet mit einer Wiederaufnahme der Flüge „innerhalb von ein paar Monaten“. Nun drohen Schadenersatzforderungen und Stornierungen von Bestellungen. Eine Chance für den europäischen Konkurrenten Airbus, davon zu profitieren?

Billigairlines

„Nein“, sagt Dieter Reisinger vom Tiroler Ingenieurbüro DRWing. „Boeing baut gute Flugzeuge und die Airlines machen sich nicht gerne von einem einzigen Hersteller abhängig.“ Daher würden die meisten Fluglinien auch mit Modellen beider Hersteller fliegen. Ausgenommen seien Low-Cost-Carrier, weil weniger Modelle niedrigere Wartungs- und Personalkosten bedeuteten. Betroffene Gesellschaften würden daher Entschädigungen verlangen, wie etwa Norwegian bereits angekündigt hat. Der Luft- und Raumfahrttechniker glaubt aber an „keine Eskalation, die Hersteller brauchen ein gutes Verhältnis zu den Fluglinien“.

Ersatzflieger gesucht

Wie schon beim Grounding der Boeing 787 vor sechs Jahren nach Problemen mit den Batterien werde Boeing daher auch zahlen. TuiFly etwa rechnet mit wöchentlichen Kosten für die Stornierung von Flügen und die Anmietung von Ersatzmaschinen von drei Millionen Euro. „Ersatzkapazitäten werden kurzfristig extrem schwer zu bekommen sein“, sagt Reisinger. Dennoch: „Langfristig wird Boeing die Causa aber nicht schaden.“

Etwas weniger optimistisch ist Luftfahrt-Analyst Wolfgang Donie von der deutschen Landesbank NordLB. „Die aktuelle Situation ist zumindest für das Image von Boeing ein Super-GAU.“ Nach seiner Ansicht wird sich die Auslieferung von Flugzeugen der 737-Max-Reihe nun auf jeden Fall verzögern. „Sollte Boeing eine (Mit-)Schuld nachgewiesen werden, werden zudem hohe Entschädigungs- und Schadenersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen.“

Stornierungen

Weiters geht er davon aus, dass die eine oder andere Airline bestehende Flugzeugbestellungen revidiert oder neue gar nicht erst tätigt und stattdessen zu Airbus wechselt. Denn auch wenn Boeing das Problem mit dem Flieger recht einfach lösen könne, täten sich auch Passagiere schwer, aktuell in eine solche Maschine zu steigen. Die bevorstehenden Belastungen für Boeing seien daher im Moment „nicht seriös abschätzbar“.

Kein A380 mehr

Doch auch bei Airbus ist nicht alles eitel Wonne. Der Hersteller gab Mitte Februar bekannt, dass der A380 mangels Nachfrage in zwei Jahren nicht mehr produziert werde. Das Fluggerät wurde schlicht an den Bedürfnissen der Airlines vorbeiproduziert. Sie wollen lieber mit kleinerem Gerät öfters am Tag eine Strecke bedienen als einmal täglich mit einem Super-Jumbo. Bleiben in diesem zu viele Sitzplätze frei, wird der Flug rasch zu einem großen Verlustgeschäft. Auch die AUA-Mutter Lufthansa verkleinert nach dem von Airbus beschlossenen Aus für den A380 den Bestand der Riesenflieger. Von den 14 Flugzeugen sollen bis 2023 sechs an Airbus zurückverkauft werden.

Grafik

Mehr Glück hat Airbus mit dem A320neo – das direkte Konkurrenzprodukt zur 737 Max. Bisher wurden rund 6300 des Modells bestellt und 570 ausgeliefert (bei Boeings Max sind es rund 5000 Bestellungen und 370 Auslieferungen, vorwiegend in den USA und China). …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 2 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.