Warum am Opernball auch heuer wieder viele Prominente fehlen

Wirtschaft

Der Opernball als Ort des Netzwerkens für Politik und Wirtschaft? Diese Zeiten sind vorbei. Viele trauen sich nicht mehr, schillernde Gäste einzuladen.

Der Opernball als Ort, an dem Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, Politik und Wirtschaft zusammentreffen. Ein „Staatsball“ als Aushängeschild Österreichs. So wie früher, als Bruno Kreisky Hof hielt und Hannes Androsch einlud. Da waren Könige, Regierungschefs und Hollywoodstars dabei. Da sind die Wirtschaftstreibenden zusammengekommen, nicht unbedingt, um dort schon Geschäfte abzuschließen, sondern um anzubahnen, um Netzwerke zu formieren. Diese Leichtigkeit einer gemeinsamen Ballnacht, die gibt es so nicht mehr.

Denn was logisch ist und gut klingt, nämlich den Ball als Netzwerkevent zu nützen, ist in der Praxis schwierig geworden. Das lässt sich auch an der Gästeliste des heurigen Opernballs ablesen: viele Unternehmen haben ihre eigenen Logen, aber die große Schar internationaler Wirtschaftsgäste sucht man vergebens. „Bei uns sind nur die Vorstände in den Logen“, sagt ein führender österreichischer Manager und wirkt dabei fast ein bisschen wehmütig. Keine internationalen Gäste etwa auch in der Siemens-Loge – Patricia Neumann wird ihr Opernball-Debüt als Siemens-Chefin im kleinen Kreis vollziehen.

Hinter vorgehaltener Hand herrscht Unmut über diese Situation. Man würde ja gerne größer einladen, würde gerne internationale Manager-Stars zum schönen Opernball nach Wien bringen, scheitert aber an den aktuellen Gegebenheiten. Prunk zu zeigen, schickt sich nicht, schon gar nicht in dieser angespannten Wirtschaftslage, wo eine Rezession droht und man unter der Inflation leidet. Hinzu kommen strenge Compliance-Richtlinien in den Unternehmen, die es vielen Managern und Vorständen nicht mehr erlauben, sich für solche Events überhaupt einladen zu lassen. „Geschenke“ sind tabu – in vielen Firmen gilt die 100- oder gar 50-Euro-Regel als Grenze.

  Auf der Suche nach dem Super-Akku

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Manager Sigi Wolf und Volkswagen-Miteigentümer Wolfgang Porsche (2009) 

„Es traut sich niemand mehr, prominente Leute aus dem Ausland zu holen“, sagt ein hochrangiger Manager eines internationalen Konzerns. „Keiner will mit so großen Ausgaben in Verbindung gebracht werden. Niemand kann das mehr schlüssig erklären“. Niemand bis auf Baumeister Richard Lugner, könnte man sagen. Wenn einem die Firma gehört, ist die Sache mit den hohen Ausgaben dann doch eine andere. Wiewohl: „In meiner Loge sitzt heuer nur die Familie“, sagt ein bekannter Immobilieninvestor, der nicht genannt werden will. Nachsatz: „Ist einfacher so, wir halten es dezent“.

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Bundespräsident Kurt Waldheim mit Gattin Elisabeth und Prinzessin Caroline von Monaco (1990)

Einen großen Unterschied zur Einladungspolitik von früher machen auch die Social Media Kanäle und schnellen Online-Medien mit ihren Foren, in denen atemlos dauergepostet wird. Da wird scharf kommentiert und erbarmungslos gelästert. Wenn Neid und Missgunst derart ungefiltert Platz greifen können, in Onlineforen, auf Facebook oder X, dann ist das ein zusätzliches Hemmnis, sich öffentlich in vollem Prunk zu zeigen.

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Erster Opernball nach dem Krieg. Bundespräsident Theodor Körner in der Ehrenloge (1956)

Es ist also, trotz Höchstpreisen für Logen, Champagner und Würstel, eine neue „Bescheidenheit“ in der Einladungspolitik der Unternehmen zu spüren. Die österreichische Wirtschaft bleibt im heurigen Jahr großteils unter sich. Die Vorstände laden die eigene Chefetage ein oder (nationale) Partner aus anderen Firmen, wo man …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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