Wie IV-Präsident Knill dem Fachkräftemangel begegnen will

Wirtschaft

Georg Knill über die Schwierigkeit, Lehrstellen zu besetzen, die Schwächen des Schulsystems und seine Unterstützung des Lernhauses.

Das Lernhaus macht den Unterschied: Ohne diese professionelle Unterstützung am Nachmittag würden wohl sehr viele der dort betreuten Kinder und Jugendlichen die Schule nicht schaffen. Dabei ist die Wirtschaft auf diese jungen Menschen angewiesen – ja sie braucht sie angesichts der offenen Lehrstellen sogar ganz dringend.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum die Industriellenvereinigung das Lernhaus unterstützt, wie Georg Knill erläutert, der seit einem knappen Jahr IV-Präsident ist. Im KURIER-Interview spricht er über Bildungsdefizite von Schulabgängern, die Karrierechancen von Lehrabsolventen und die Folgen der Corona-Krise für die Lehrbetriebe.

KURIER: Die Industriellenvereinigung unterstützt die Lernhäuser. Warum?

Georg Knill: Je besser ein Mensch ausgebildet ist, desto mehr Chancen ergeben sich, dass er sich auf persönlicher und beruflicher Ebene entwickeln kann. Aus Sicht der Industrie ist diese Bildung, die schon in der Volksschule beginnt, der Hebel, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Deshalb sind wir froh, die Lernhäuser unterstützen zu können.

Haben Sie den Eindruck, dass viele Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit nicht das nötige Rüstzeug haben, um eine Lehre erfolgreich absolvieren zu können?

Die Ausbildungsbetriebe stellen fest, dass sie immer mehr junge Bewerber bekommen, die nicht genug Grundkenntnisse in Deutsch, Mathematik und teilweise auch in den Fremdsprachen oder den naturwissenschaftlichen Fächern mitbringen. Da haben wir in der Schulausbildung offensichtlich ein grundsätzliches Problem. Junge Menschen sind verpflichtet, neun Jahre in die Schule zu gehen. Dass man Jugendliche nach dieser Zeit mit Defiziten ins Leben entlässt, ist sozial unverantwortbar. Deshalb ist es unabdingbar, mit einer Qualitätsoffensive durchzustarten. Das heißt auch: Wir müssten eher über eine Bildungs-, als über eine Schulpflicht reden. Ohne gewisse Kenntnisse sollte niemand die Schule verlassen.

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Mit einem Pflichtschulabschluss alleine kommt man also nicht mehr weit?

Nein, das zeigt schon ein Blick in die Arbeitslosenstatistik – ein Großteil hat nur einen Pflichtschulabschluss. Doch für eine Lehre braucht es nicht nur das Zeugnis, sondern eine gute Grundbildung als Basis. Dass das nicht gewährleistet ist, liegt nicht am Geld: Wir haben eines der teuersten Schulsysteme in den Industrieländern, sind aber beim Output nur Mittelmaß, vor allem in Bereich der Grundbildung. Das ist besorgniserregend.

Ist das der Grund dafür, dass so viele junge Menschen keine Lehrstelle finden?

Die Arbeiterkammer hat das ja behauptet. Also von Lehrstellenmangel kann keine Rede sein: Es gibt mehr als 10.000 Lehrstellensuchende, aber mehr als 20.000 offene Lehrstellen. Hier argumentiert meiner Meinung nach die AK auch nicht ganz schlüssig. Wir als Industrie suchen jedenfalls händeringend Lehrlinge – besonders auch weibliche. Wobei es sicher geografische Unterschiede gibt. In Wien ist zum einen die demografische Struktur eine andere, weil wir hier steigende Schülerzahlen haben, zum anderen die Unternehmensstruktur: Hier gibt es viele internationale Firmen, die das Konzept der dualen Ausbildung nicht kennen. Die Idee, dass man als Unternehmer die Ausbildung der jungen Menschen selbst finanziert, gibt es nur in den deutschsprachigen Ländern. Das kostet im Schnitt 100.000 Euro, viel Geld, aber eine sinnvolle Investition.

Wie hat sich die Corona-Krise auf die Lehrstellen-Situation ausgewirkt?

Die Aufstiegsklausel hatte für den Lehrstellenmarkt große Folgen. Normalerweise …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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