Wizz-Air-Chef: „Wir sind zurück in der Profitabilität“

Wirtschaft

CEO József Váradi über die Krise von Europas drittgrößter Billig-Airline. Er will weiterhin günstige Ticketpreise anbieten

Sechs Flughäfen in zwei Tagen, auf dem letzten Stop seiner Airport-Tour traf József Váradi den KURIER in Wien zum Interview.

KURIER: Etliche Jahre galt Wizz Air als am schnellsten wachsende Airline, als Überflieger in Europas Luftfahrt. Aber jetzt? Die Umsätze gesunken, hohe Verluste auch in den letzten drei Quartalen. Wizz ist anscheinend … József Váradi: .. ein Low Flyer geworden, meinen Sie?

Sieht ganz so aus. Was sind die Gründe dafür? Diese Entwicklung müssen Sie schon im Kontext sehen.

Zuerst der Ukraine-Krieg. Wir hatten 10 Destinationen in Russland und 50 Routen aus der Ukraine. Wir mussten 13 Prozent unserer Gesamt-Kapazität herausnehmen. Der zweite Grund sind die Probleme mit den Triebwerken von Pratt & Whitney in den vergangenen beiden Sommern. Wir hatten 45 Flugzeuge am Boden und mehr als 20 Prozent Kapazität weniger. Und der dritte Grund ist der Ausbruch des Gaza-Krieges. Wir mussten im Oktober 2023 unsere Flüge nach Israel stoppen. Wir waren mit 25 Strecken der größte europäische Carrier nach Israel. Das betraf weitere neun Prozent unserer Gesamt-Kapazität. Diese Probleme hatten unsere Mitbewerber nicht.

Wie geht’s jetzt weiter, wie sieht Ihre Prognose aus?

Wir sind zurück in der Profitabilität. Unser Geschäftsjahr endet mit 31. März 2024, wir werden unsere Prognose in zwei Wochen veröffentlichen. Wir rechnen für 2023/24 mit 350 bis 360 Millionen Euro Nettogewinn und, soviel kann ich jetzt schon sagen, wir erwarten eine weitere Verbesserung unserer Profitabilität.

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In der „Financial Times“ sagten Sie dieser Tage, Krisenmanagement bleibe eine Konstante. Der Ukraine-Krieg, der Krieg in Israel, die Triebwerksprobleme – das meinte ich mit dem Krisenmanagement. Die Krisen werden noch, schätze ich, zwei, drei Jahre andauern. Wir rechnen mit dem Turnaround Ende 2025. Wir verbessern uns, aber das geht langsam.

 

Ihre Mitbewerber im Low-Cost-Segment haben diese Probleme nicht?

Das betrifft Ryanair und easyJet nicht. Betroffen sind außer uns noch Turkish Airlines und die Lufthansa, wir sind die drei Airlines mit den meisten Pratt & Whitney-Triebwerken.

Wizz will die Flotte mehr als verdoppeln, auf 500 Flugzeuge bis 2030? Wie realistisch ist das aus heutiger Sicht? Wir haben derzeit 209 Flugzeuge, davon fliegen 45 wegen der Triebwerke nicht. Nächsten Sommer werden wir 240 Flugzeuge haben und für den Sommer 2026 erwarten wir 280 Flugzeuge, die alle fliegen werden. 500 Flugzeuge sollten wir im Sommer 2030 erreichen. Wir werden sehen, ob Airbus liefern kann, Die Nachfrage ist zu stark, Airbus hat Lieferverzögerungen. Wir rechnen aber spätestens mit Sommer 2032.

Wohin sollen diese 500 Maschinen denn fliegen? Nach Osteuropa, also Polen, Rumänien, Ungarn, Baltikum und den Balkan. Die Wirtschaft dort wächst. Wir werden 250 bis 300 Flugzeuge in Zentral- und Osteuropa stationieren. 100 bis 120 sind für den Mittleren Osten vorgesehen. Unsere drei wichtigsten Märkte in Westeuropa sind Italien, UK und Österreich.

Welche Pläne haben sie für Österreich?

Seit der Gründung unserer Präsenz in Österreich 2018 haben wir bemerkenswerte Erfolge erzielt, haben mehr als acht Millionen Passagiere befördert. Wir glauben fest an das Potenzial in Österreich. Derzeit sind wir mit sechs Flugzeugen und mehr als 260 Besatzungsmitgliedern in …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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