Wolftank Group: „Die Energiewende wurde für uns erfunden“

Wirtschaft

Das Tiroler Unternehmen sieht großes Potenzial bei Wasserstoff- und LNG-Tankstellen. Seit 2019 notiert der Konzern an der Wiener Börse.

Ab 2035 sollen nach Beschluss des EU-Parlaments keine neuen Autos mit Verbrennermotor mehr zugelassen werden dürfen. Das ist bei Pkw, was das Fahrzeug selbst betrifft, dank moderner Elektrobatterien noch ziemlich leicht umsetzbar. Für Schwerkraftfahrzeuge ist dies aber nicht möglich, weil die nötigen Batterien zu groß und schwer wären. Hier kommen als Alternativen Wasserstoff und Flüssiggas (LNG) ins Spiel. „Vor drei Jahren wusste noch kein Mensch, was LNG ist“, sagt Peter Werth, Vorstandschef der Wolftank Group. Das Tiroler Unternehmen hat sich auf die Bodensanierung und Bau von Tankstellen spezialisiert.

„Herkömmliche Tankstellen werden kaum noch gebaut“, sagt Werth. Daher macht das 1987 gegründete Unternehmen heute fast die Hälfte des Geschäfts mit Umweltdienstleistungen, was vor allem die Bodensanierung von Tankstellen bedeutet. „Beim Betanken sickert oft Treibstoff ins Erdreich“, erklärt Werth. Weitere knapp 30 Prozent der Umsätze stammen aus Beschichtungen für Industrieanlagen, etwa in der Petrochemie. Und schon 20 Prozent macht das Geschäft mit LNG-Anlagen.

Nun sieht Werth die Zeit für den Wasserstoffantrieb gekommen. „Es ist nicht der erste Wasserstoff-Hype, aber jetzt gibt es schon mehr als 30 Lkw- und Bushersteller, die auf diesen Antrieb setzen.“ Wolftank habe bereits 20 Jahre Erfahrung in dem Bereich. Im Vorjahr ging in Bozen erstmals eine von Wolftank konzipierte und errichtete Wasserstofftankstelle in Betrieb.

Wolftank Group

Peter Werth, Vorstandschef der Wolftank Group.

Die Betankungstechnik unterscheidet sich laut Werth wesentlich von herkömmlichen Tankstellen. Die erforderlichen Anlagen könnten aber zu bestehenden Tankstellen dazugebaut werden. Ansonsten müsste man die Tankstellen komplett umbauen. Wie bei herkömmlichen Tankstellen werden auch LNG und Wasserstoff per Lkw an die Tankstellen geliefert. Wasserstoff könnte man aber auch – wenn genügend Platz vorhanden ist und grüner Strom – mittels Elektrolyse vor Ort direkt bei der Tankstelle produzieren. Werth sieht noch viel Potenzial. Derzeit macht der Bereich erst sechs Prozent des Umsatzes aus, in fünf Jahren sollen es 75 Prozent sein. „Die Energiewende wurde für uns erfunden.“

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Flugzeuge

In weiterer Folge sei auch der Einsatz in Flugzeugen geplant. „Airbus plant ab 2032 Testflüge.“ Probleme beim Bau von entsprechenden Tankstellen gebe es jedoch noch bei behördlichen Genehmigungen sowie der Lieferung nötiger Komponenten. „Es gibt daher ein Missverhältnis zwischen Anfragen und Output“, bedauert der Vorstandschef.

Wasserstoff sei jedenfalls nicht gefährlicher als Benzin und dass bei der Herstellung übermäßig viel Strom notwendig sei, stimme ebenfalls nicht. „Wasserstoff wird auch aus Strom gewonnen, der nicht eingespeist werden kann“, sagt der studierte Techniker.

Auch für Flüssiggas ist er optimistisch. In Europa seien rund 20.000 LNG-Lkw unterwegs, jede fünfte Neuzulassung sei bereits mit LNG-Antrieb. „In der EU gibt es 2 Millionen kommunale Fahrzeuge. Wenn ein Prozent davon auf LNG umgestellt wird, benötigt es 2.000 Tankstellen“, rechnet Werth vor. Auch Loks könnten statt mit Diesel mit Wasserstoff angetrieben werden. Damit gäbe es eine emissionsfreie Antriebsmöglichkeit für jene Eisenbahnstrecken, die heute keine elektrische Oberleitung zur Verfügung haben. Dass in Paris nach kurzer Zeit das Experiment mit Wasserstoffbussen beendet wurde, habe nur an einer fehlenden Betankungsanlage gelegen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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