„Wollen uns nicht selbst kannibalisieren“

Wirtschaft

Der Chef der Gruppe über sein neues Stadtkonzept, das Dramatisieren rund ums Thema Lieferengpässe und 250 offene Stellen im Betrieb.

Der Sanierer Reinhold Gütebier setzt auf das Statussymbol Küche. Er ist überzeugt, dass die Preise im Möbelhandel Anfang 2021 anziehen werden und geht davon aus, dass er die Sonntagsöffnung in Österreich nicht mehr erleben wird.

KURIER: Sie sind im Jahr 2018 aus der Pension zurück geholt worden, um Kika/Leiner zu sanieren. Am 30.9. hat das letzte Geschäftsjahr der Gruppe geendet – schwarz oder rot?
Reinhold Gütebier: Bis wir das Ergebnis haben, dauert es noch ein paar Wochen. Aber ich kann schon jetzt sagen, dass wir eine schwarze Null schreiben werden.

Konnte man in der Pandemie als Möbelhändler überhaupt etwas falsch machen?
Wir haben nicht wegen sondern trotz der Krise alle Planvorgaben erreicht. Man darf nicht vergessen, dass unsere Möbelhäuser im vergangenen Geschäftsjahr in Summe zwölf Wochen im Lockdown waren. Mitunter zur umsatzstärksten Zeit im Jahr, also zwischen Weihnachten und Neujahr.

Der Leiner-Markt in der Wiener Mariahilfer Straße ist Geschichte. Das Ende der Präsenz in der Wiener Innenstadt?

Nein, aber man findet nicht von heute auf morgen einen neuen Standort mit 30.000 Quadratmetern. Ich verlasse Österreich nicht, bevor wir einen neuen Standort in Wien gefunden haben.

Ihr Vertrag wurde gerade um drei Jahre verlängert – geht sich das aus?
Ja, ich mache maximalen Druck. Gleichzeitig investieren wir Millionen in die Rundumerneuerung der Standorte, eröffnen zum Beispiel heute Wien Nord neu.

Währenddessen hat Ikea am Wiener Westbahnhof eröffnet. Im Rennen um die Umgebung Mariahilfer Straße geht der Punkt geht wohl an die Schweden.
Ikea ist keine unmittelbare Konkurrenz für uns. Wir setzen auf Beratung und Zustellung samt Montage. Das ist ein anderes Konzept. Außerdem haben wir mit der Eskole-Linie auch ein neues Stadtkonzept.

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Warum wollen Sie jetzt dieser Linie ausgerechnet den Küchenstudios Konkurrenz machen?
Weil wir uns nicht selbst kannibalisieren wollen. Außerdem sind Küchen das neue Statussymbol, entsprechend viel Geld wird für Luxusküchen ausgegeben. Marmor, Granit, Keramik, Holz – alles wird gemixt. Da sind Innenarchitekten am Werk.

Apropos teuer: Werden die Preise im Möbelhandel steigen? Stichwort Lieferengpässe und Transportkosten?
Ja, ich würde jetzt noch schnell Möbel kaufen, bevor sie teurer werden.

Ein guter Verkaufsschmäh …
(lacht) Nein, im ernst. Die Preise sind über das ganze Sortiment hinweg gestiegen, speziell wegen explodierender Frachtkosten. Bisher haben wir diese Steigerungen nicht weitergegeben. Das wird sich aber ändern müssen. Im Jänner, Februar muss es Preiserhöhungen geben.

In welchem Ausmaß und in welchen Kategorien?
In allen Kategorien. Das genau Ausmaß kann ich noch nicht sagen.

Kommen tatsächlich viel zu wenige Elektrogeräte in den Geschäften an?
Ja, das stimmt schon. Aber es wird von vielen Mitbewerbern auch dramatisiert. Wir haben Lieferverzögerungen von vier bis sechs Wochen. Die Konsumenten akzeptieren das, weil sie vom Chipmangel und den Transportproblemen wissen.

Werden Sie in Ihrer Zeit als Kika/Leiner-Chef in Österreich noch offene Geschäfte am Sonntag erleben?
Das werde ich nicht einmal erleben, wenn ich noch 50 Jahre lebe! Diesen Schritt traue ich Österreich nicht mehr zu.

Auch, weil viele Händler sich dagegen die Sonntagsöffnung stemmen. Mit dem Argument, dass diese nur eine zeitliche Verschiebung der Umsätze bringt …
Das stimmt nicht, das weiß ich aus …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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