WWF-Studie: Wie Grillwürstel und Koteletts verschleudert werden

Wirtschaft

Die Umweltschützer prangern an, dass Grillwürstel um minus 60 Prozent verschleudert werden. Agrarier sehen Verbesserungen

Elisabeth Köstinger scheint gar nicht so falsch zu liegen: „Wir haben Griller um 800 Euro im Garten stehen und legen eine Bratwurst um 80 Cent drauf“, hat die Agrarministerin kürzlich in einem Profil-Interview moniert. „Das ist pervers.“

Der WWF hat jetzt passend zum Start der Grillsaison analysiert, zu welchen Preisen die Handelshäuser Spar, Penny, Lidl, Billa, Billa Plus und Hofer Steaks, Würstl oder Koteletts anbieten. Oder viel mehr: zu welchen Rabatten sie Würstel und Co verschleudern. Einen Monat lang hat der WWF die Flugblätter der Supermärkte und Diskonter analysiert, mit folgendem Ergebnis: 282 Grillprodukte (siehe Info-Kasten) wurden verbilligt angeboten, dabei handelte es sich bei 264 um Fleisch, dass im Durchschnitt um 24 Prozent unter dem Normalpreis über die Kassa gezogen wurde.

Grillwürstel (aus Schweine- und Rindfleisch) wurden sogar um minus 60 Prozent verschleudert. Woher das Fleisch kam, war auf der Packung übrigens nicht ersichtlich, prangert der WWF an. Laut seinen Erhebungen kommt zumindest jeder fünfte Aktionsartikel aus dem Ausland. Besonders oft im Abverkauf ist demnach Schweinefleisch, gefolgt von gemischten Fleischprodukten aus Schwein und Rind.

Adi Marksteiner, Fleischexperte in der Landwirtschaftskammer, wären freilich konstante Preise am liebsten. Aufgrund der internationalen Warenströme spielt es das aber nicht, erläutert er.

Einer der großen Abnehmer von europäischen Schweinefleisch ist China. Schätzungen zufolge sollen die Exporte ins Land der Mitte heuer ein Volumen von vier Milliarden Kilo erreichen. Zum Vergleich – im Jahr 2017 waren es noch 1,3 Mrd. Kilo. Als China zuletzt wegen der Schweinepest in Deutschland einen Importstopp auf Schwein verhängte, waren die Deutschen mit einer Überproduktion konfrontiert. Und drückten diese in den europäischen Markt – was am Kontinent die Preise in den Keller geschickt hat. In den vergangenen drei Monaten sind die Erzeugerpreise aber wieder um ein Viertel gestiegen, weiß Marksteiner.

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Die WWF-Studie relativiert der Landwirtschaftsvertreter: „Entscheidend sind letztlich nicht die Prozente, sondern der Abverkaufspreis.“ Und dieser hätte sich zuletzt tendenziell verbessert. „Vor zwei Jahren wurde Schwein noch um 2,99 das Kilo im Supermarkt verschleudert, jetzt sehen wir Aktionspreise von 4,99 Euro.“ Auch der Verkauf „von ganzen Schultern unter dem Selbstkostenpreis“ habe sich aufgehört und die Aktionszeiträume seien kürzer, lobt er die Handelshäuser.

Ausweichmanöver

Diese scheinen sich übrigens verstärkt neue Lockartikel zu suchen, berichten Lieferanten. Zwar gehört Fleisch – wie Bier – traditionell zu jenen Produkten, die versehen mit Prozenten Frequenz bringen. Aber die Rabattitis zieht sich längst durch alle Sortimente. Manche argwöhnen sogar, dass der Fokus vom Fleisch weggeht. Mit ein Grund sei, dass die Agrarministerin heuer die – bereits im November 2018 angekündigte – Bauern-Ombudsstelle einrichten möchte. An diese sollen sich Bauern und Erzeugergemeinschaften wenden, die sich von Handelsmanagern über den Tisch gezogen fühlen. In Einkaufsabteilungen würde jetzt die Angst umgehen, dass das eigene Handelshaus mit dem Vorwurf von Machtmissbrauch an den Pranger gestellt werden könnte.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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