Zinsen sollen sinken, aber Häuselbauer greifen zu Fixzins-Krediten

Wirtschaft

Nach massivem Zinsanstieg schichten Kreditnehmer von variabel auf fix um. Mit 3,24 Prozent kosten Wohnbaukredite mehr als im Euroraum (2,42 Prozent).

Der massive Zinsanstieg 2023 hatte erhebliche Auswirkungen auf Kredite und Spareinlagen. Die Nationalbank hat dazu nun umfangreiche Daten präsentiert, die z.B. helfen könnten, die Debatte über „zu geringe“ Sparzinsen zu versachlichen.

Für Verwerfungen gesorgt hat auch das zeitliche Zusammenfallen von teureren Krediten, hohen Baukosten und obendrein verschärften Kreditregeln. Was aber war wirklich schuld am scharfen Einbruch beim Kredit-Neugeschäft? Banken und Politik haben die Kreditregeln scharf kritisiert, bis sie jetzt entbürokratisiert wurden.

Wie sieht es jetzt auf der Kreditseite aus?

Insgesamt waren die Kredite an private Haushalte 2023 erstmals seit Erhebungsbeginn im Jahr 1998 rückläufig.

Das aushaftende Kreditvolumen sank von 189,7 auf 186,3 Milliarden Euro. Diese Entwicklung war vor allem auf die Wohnbaukredite zurück zu führen. Dort sank der Bestand von 134 auf 131 Milliarden Euro. Im gesamten Euroraum war aber eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Für Notenbank-Vize Gottfried Haber ein Beleg dafür, dass vor allem die gestiegenen Zinsen und nicht die strengere Anwendung der Kreditregeln schuld an der rückläufigen Entwicklung waren.

Wie läuft die Neuvergabe von Wohnbaukrediten?

Hier gab es einen massiven Einbruch von 25,7 Mrd. (2021) und 23,2 Mrd (2022) auf nur noch 10,4 Milliarden Euro im Vorjahr und damit den geringsten Wert seit 2011. In Österreich wurden zwischen 2017 und 2022 aber auch deutlich mehr neue Wohnbaukredite vergeben als im Euroraum oder in Deutschland, daher dürfte der Einbruch hierzulande auch markanter gewesen sein. Mittlerweile hat sich das Niveau stark angenähert. Und durch die strengeren Kreditregeln habe sich vor allem auch die Kreditqualität markant verbessert, sagt Haber. Das sieht man an historisch niedrigen Ausfallsraten.

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Wie verteilen sich variabel und fix verzinste Kredite in Österreich?

In Österreich gibt es traditionell einen hohen Anteil variabler Kredite. Viele Kreditnehmer setzten offenbar darauf, dass die Niedrigzinsphase früherer Jahre noch sehr lange anhalten werde. Dem war nicht so. Die sechs Leitzinsanhebungen durch die EZB schlugen deshalb voll durch.

Der durchschnittliche Zinssatz eines Wohnbaukredits lag in Österreich im Jänner 2024 mit 3,24 Prozent deutlich über jenem des Euroraums (2,42 Prozent) und damit auf dem höchsten Niveau seit 2012. Das war aber unter dem Niveau bei Ausbruch der Finanzkrise (Oktober 2008: 5,71 Prozent.)

Jedenfalls haben die Kreditnehmer massiv umgeschichtet: 2018 waren noch 73 Prozent aller Wohnbaukredite variabel verzinst und nur 27 Prozent fix verzinst. Jetzt sind nur noch 43 Prozent variabel und schon 57 Prozent fix verzinst. Und dies obwohl am Markt klar erwartet wird, dass die EZB heuer die Leitzinsen wieder senken wird.

Wie haben sich die Zinsen 2023 entwickelt?

Mittlerweile sinken die Zinsen ja wieder leicht, aber Ende 2023 hatten sie im Neugeschäft mit Privaten und Unternehmen jeweils das höchste Niveau seit der Finanzkrise 2008 erreicht.

Bei Krediten war das im November mit 5,10 Prozent der Fall, bei Einlagen im Oktober 2023 mit durchschnittlich 3,66 Prozent. Nach diesem Plafond sank der durchschnittliche Kreditzins nun wieder auf 4,99 Prozent, bei Einlagen spricht man von 3,48 Prozent über alle Laufzeiten (Werte für Jänner 2024).

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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