Kammeroper – kamma zusperren?

Kultur

Hochgeschätztes Kulturamt!

Hiermit beantrage ich, unseren Herrn „Kulturminister“ ab sofort dazu zu verpflichten, jede (!) Vorstellung der Kammeroper zu besuchen. Erstens, weil ich glaube, dass er noch nie einen Fuß in dieses Juwel gesetzt hat. Zweitens, weil damit vielleicht die Chance besteht, dass ihm Augen und Ohren geöffnet werden und er erkennt, welches Verbrechen er begeht, wenn er die Schließung der Kammeroper befürwortet. Falls er nur eine einzige Vorstellung versäumt, müsste er sofort zurücktreten.

Mit besorgten Grüßen, Dr. S. Z.

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Sehr geehrte Frau Dr. S. Z.,

vielen Dank für Ihr Schreiben, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 32/2025). Bei allem Verständnis für Ihren Antrag, aller Sympathie für die Wiener Kammeroper und grundsätzlicher Antipathie gegenüber der Schließung von Theatern, sehen wir uns genötigt, Ihr Begehr abzulehnen. Und das gleich aus mehreren Gründen.

Der erste hat mit dem Ihnen wohl bekannten Sprichwort vom verlorenen Hopfen und Malz zu tun, das wir hier nicht näher auszuführen brauchen, das jedoch die ministerielle Inkompatibilität mit einer Institution wie der Kammeroper anzudeuten geeignet ist.

Der zweite resultiert ganz profan aus der Zuständigkeit: Die Kammeroper fällt in den Subventionsbereich der Stadt Wien, also in jenen unserer „Kulturstadträtin“ Kaup-Hasler, wobei uns auch bei ihr bezüglich Affinität zur Kammeroper eine gewisse Skepsis befällt. Herr Babler hat also auch in dieser Hinsicht wenig mit diesem Haus am Hut, wobei selbst wir im Kulturamt uns fragen, wie lange man in Sparzeiten die Trennung zwischen Bundes- und Landes-Kultureinrichtungen noch aufrecht erhalten kann. Sobald wir jedoch beim Föderalismus ankommen, fehlen uns die Argumentarien.

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Der dritte Ablehnungsgrund, vielleicht der relevanteste, betrifft die Dachorganisation der Kammeroper, die Vereinigten Bühnen Wien. Die bekommen im nächsten Jahr um fünf Millionen Euro weniger von der Stadt, allerdings immer noch 51 Millionen, was uns für deren kreative Hervorbringungen nicht allzu läppisch erscheint.

Statt jedoch die Summe bei Musicals, die vielerorts ohne öffentliche Gelder auskommen, einzusparen oder zu hinterfragen, warum das Theater an der Wien traditionellerweise jenes Opernhaus mit den meisten öffentlichen Zuschüssen pro Sitzplatz ist, wird lieber die Kammeroper für ein paar Jahre zugesperrt. Das sagt viel über Prioritäten aus. Was zu komplex ist, hat keinen Platz neben Kommerz.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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